Zwillingstreffen in Wagrain verbindet Wissenschaft und Erlebnis
Wenn sich von Freitag, 30. Mai 2026, bis Sonntag, 7. Juni 2026, Zwillinge aus dem deutschsprachigen Raum in Wagrain-Kleinarl versammeln, steht nicht nur das Wiedersehen Gleichgesinnter im Mittelpunkt. Das traditionsreiche Treffen wird heuer erstmals Teil eines wissenschaftlichen Projekts der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Die Forschung untersucht, wie sich alpine Natur unmittelbar auf Stress, Wohlbefinden und mentale Regeneration auswirkt. Das Zwillingstreffen im Salzburger Pongau wird damit zum Schauplatz einer ungewöhnlichen Studie mit Zwillingen als Probanden.

Anja und Karin sind beim 42. Internationalen Zwillingstreffen 2026 dabei| © Andrea Fischbacher
Faszinierende Fakten über Zwillinge
Zwillinge üben seit jeher eine besondere Faszination aus – in der Wissenschaft ebenso wie in der Popkultur. Weltweit liegt die natürliche Zwillingsrate bei etwa 1 von 80 Geburten, wobei sie regional stark schwankt. Besonders hoch ist sie etwa in Teilen Westafrikas, während sie in Ostasien traditionell niedriger liegt.
Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich eine befruchtete Eizelle teilt. Sie haben praktisch identische Gene und meist auch dieselbe Blutgruppe. Zweieiige Zwillinge entstehen hingegen aus zwei getrennten Eizellen und können sich genetisch genauso unterscheiden wie gewöhnliche Geschwister.
Interessant ist auch ein demografischer Trend: In vielen Ländern hat die Zwillingsrate in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Gründe dafür sind unter anderem ein höheres durchschnittliches Alter der Mütter sowie medizinische Fruchtbarkeitsbehandlungen.
Warum Zwillinge für die Forschung so wertvoll sind
Zwillingsstudien gehören seit Jahrzehnten zu den Werkzeugen der Verhaltens- und Gesundheitsforschung. Sie ermöglichen es, genetische Einflüsse von Umweltfaktoren zu unterscheiden. Eineiige Zwillinge teilen nahezu identisches Erbgut, während zweieiige genetisch eher gewöhnlichen Geschwistern ähneln. Vergleicht man beide Gruppen, lassen sich Einflüsse von Lebensstil, Umgebung oder Erfahrungen besonders genau erkennen. Das Zwillingstreffen in Wagrain-Kleinarl geht 2026 der Sache einen Schritt näher.

Univ.-Prof. Arnulf Hartl | © Martin Schöndorfer
Die Studie nutzt ein sogenanntes Co-Twin-Control-Design. Dabei erleben beide Zwillinge eines Paares unterschiedliche Bedingungen – etwa eine naturbasierte Aktivität im alpinen Raum und eine kontrollierte Indoor-Situation. Durch Vor- und Nachmessungen sollen Veränderungen bei Stresswahrnehmung, Resilienz und Wohlbefinden sichtbar werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Gesundheitswissenschaftler Arnulf Josef Hartl von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Geplant ist eine Stichprobe von rund 90 Zwillingspaaren, also etwa 180 Teilnehmern.
Ein Zwillingstreffen mit Geschichte
Das Internationale Zwillingstreffen hat in Wagrain-Kleinarl Tradition. Seit mehr als vier Jahrzehnten reisen Zwillingspaare aus Österreich, Deutschland und der Schweiz in den Salzburger Ort. Viele Teilnehmer kommen regelmäßig wieder – nicht zuletzt wegen der besonderen Atmosphäre, wenn sich plötzlich überall Menschen begegnen, die einander verblüffend ähnlich sehen.
Das Programm verbindet Gemeinschaftserlebnisse mit Ausflügen und Kulturangeboten. Höhepunkt der kommenden Ausgabe wird der „Tag der Zwillingsforschung“ am Freitag, 5. Juni 2026, an dem die wissenschaftliche Studie offiziell im Zentrum steht.
Natur als Forschungsfeld
Für Wagrain-Kleinarl ist das Projekt Teil einer langfristigen Strategie. Die Region versteht sich zunehmend als Destination für mentale Erholung und naturbasierte Regeneration. Gemeinsam mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität wurden bereits mehrere Orte und Angebote auf ihre gesundheitlichen Effekte untersucht.

Stefan Passrugger, Tourismusdirektor Wagrain-Kleinarl Tourismus | © Selina Flasch
Tourismusdirektor Stefan Passrugger sieht darin eine neue Form des Gesundheitstourismus: Statt nur Erholung zu versprechen, sollen wissenschaftliche Daten zeigen, welche Wirkung Natur tatsächlich entfalten kann.
Einladung nach Wagrain-Kleinarl
Gesucht werden eineiige und zweieiige Zwillingspaare zwischen 20 und 80 Jahren, die am Hauptprogramm des Treffens teilnehmen möchten. Dieses findet von Donnerstag, 4. Juni, bis Sonntag, 7. Juni 2026, statt. Die Teilnahme an der Studie ist darin integriert.
Neben Forschung und Austausch stehen auch Wanderungen, gemeinsame Aktivitäten und Begegnungen im Mittelpunkt. Besucher und Teilnehmer erwartet eine Mischung aus wissenschaftlicher Neugier und das besondere Gefühl, Teil einer besonderen Gemeinschaft zu sein. Hier geht’s zur Anmeldung.
(PA/red)


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