Buckelwal „Timmy“ hat seinen Live-Ticker beendet
Der wochenlang in Deutschland und Dänemark beobachtete Buckelwal „Timmy“ ist tot. Nachdem bereits am Freitag ein großer Walkadaver vor der dänischen Insel Anholt entdeckt worden war, bestätigten Behörden nun endgültig die Identität des Tieres. Ausschlaggebend war ein GPS-Tracker, der beim Wal gefunden wurde und sich inzwischen im Gewahrsam der dänischen Behörden befindet.
Die Seriennummer des Senders stimmt laut beteiligten Stellen mit jenem Tracker überein, der dem Wal Anfang Mai bei seiner Freilassung im Skagerrak angebracht worden war.
Wochenlange Rettungsaktionen
Die Geschichte des Wals hatte bereits im März begonnen. Der junge Buckelwal war mehrfach an flachen Küstenabschnitten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gesichtet worden. Teilweise strandete das Tier in Ufernähe oder bewegte sich nur noch langsam durch seichtes Wasser.
Besonders nach Sichtungen nahe Timmendorfer Strand entwickelte sich rasch große öffentliche Aufmerksamkeit. Medien, Livestreams und soziale Netzwerke begleiteten die Rettungsversuche nahezu täglich. Der Wal erhielt dabei den Namen „Timmy“.
In den folgenden Wochen versuchten Einsatzkräfte, Tierärzte, Meeresbiologen und freiwillige Helfer mehrfach, das Tier zurück in tieferes Wasser zu bringen. Teilweise wurden mit schwerem Gerät Fahrrinnen geschaffen, um dem Wal das Freischwimmen zu ermöglichen.
Freilassung im Skagerrak
Ende April startete schließlich eine groß angelegte Rettungsaktion. Der geschwächte Wal wurde über Tage hinweg Richtung Nordsee begleitet und Anfang Mai rund 70 Kilometer vor Skagen im Skagerrak freigelassen.
Dabei erhielt das Tier auch einen Satellitentracker, um seine weitere Route überwachen zu können. Bereits kurz nach der Freilassung blieben jedoch brauchbare Positionsdaten weitgehend aus. Seit Tagen wurden überhaupt keine Signale mehr empfangen.
Am Freitag entdeckten Behörden schließlich einen großen toten Wal vor der dänischen Insel Anholt. Zunächst war die Identität des Tieres noch unklar, da am Kadaver kein Sender gefunden worden war.
Erst bei einer neuerlichen Untersuchung unter Wasser wurde der Tracker entdeckt und geborgen. Damit gilt inzwischen als bestätigt, dass es sich tatsächlich um „Timmy“ handelt.
Ein Wal wurde zu Tode geliebt
Mit den wochenlangen Rettungsaktionen entwickelte sich rund um den Buckelwal allerdings längst weit mehr als nur ein klassischer Tierschutzfall. Kaum ein Wildtier wurde zuletzt derart intensiv öffentlich begleitet: tägliche Liveticker, Experteneinschätzungen, Webcam-Streams, Drohnenbilder und emotionale Social-Media-Aufrufe machten „Timmy“ zu einem europaweiten Echtzeitereignis.
Augenscheinlich war dabei auch das enge Zusammenspiel zwischen Wissenschaft, Aktivismus und medialer Öffentlichkeit. Neue Lageeinschätzungen, Gesundheitsupdates und Rettungspläne wurden teilweise beinahe stündlich kommuniziert und weiterverbreitet.
Dadurch entstand zunehmend eine Dynamik, in der nicht nur die Rettung des Tieres selbst, sondern auch die öffentliche Begleitung der Rettung immer größer wurde. Während Fachleute früh auf die schlechten Überlebenschancen des geschwächten Wals hingewiesen hatten, blieb die Hoffnung auf eine erfolgreiche Rückkehr ins offene Meer über Wochen in den Schlagzeilen.
Todesursache weiterhin unklar
Die genaue Todesursache des Wals soll nun untersucht werden. Experten hatten bereits während der Rettungsmaßnahmen gewarnt, dass der lange Aufenthalt in flachen Gewässern, wiederholte Strandungen und die körperliche Belastung für das Tier lebensgefährlich sein könnten.
Mit der nun bestätigten Identität endet jedenfalls eines der ungewöhnlichsten öffentlichen Tierdramen der vergangenen Monate. Kaum ein Wildtier wurde zuletzt derart intensiv medial begleitet: Liveticker, Expertenupdates und emotionale Rettungsdebatten machten „Timmy“ weit über Deutschland hinaus bekannt.
(PA/red)


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