Mediengipfel in Seefeld im Zeichen der ORF-Debatte
Die Sonderedition des Europäischen Mediengipfels in Seefeld stand offiziell im Zeichen von Medienförderung, Digitalisierung und Kooperation. Hinter den Kulissen wurde die Veranstaltung allerdings auch aufmerksam als mögliches Stimmungsbild für die kommende ORF-Generaldirektorenwahl beobachtet.
Mit ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher, APA-CEO Clemens Pig und Medienmanager Markus Breitenecker waren gleich mehrere Namen präsent, die derzeit in der Branche rund um die ORF-Zukunft diskutiert werden. Breitenecker machte seine Kandidatur erst kurz nach der Veranstaltung offiziell.
Big Player im Nachrichtengeschäft
Eine Runde zur Zukunft der österreichischen Leitmedien zeigte, wie stark sich die Branche derzeit zwischen wirtschaftlichem Druck, digitalem Wandel und politischer Erwartungshaltung neu positioniert. APA-Chefredakteurin Maria Scholl diskutierte dabei mit „Presse“-Geschäftsführer Rainer Nowak, „Krone“-Geschäftsführer Gerhard Valeskini, Standard-Vorstand Alexander Mitteräcker und Medienexperte Hans Mahr über die Frage, wie klassische Medienmarken im Wettbewerb mit Plattformen, KI-Systemen und veränderten Nutzungsgewohnheiten bestehen können.

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Kooperation als gemeinsames Leitmotiv
Inhaltlich dominierte vor allem die Frage, wie sich der österreichische Medienstandort gegenüber internationalen Plattformen, Künstlicher Intelligenz und wirtschaftlichem Druck behaupten kann. Ingrid Thurnher sprach sich dabei für stärkere Kooperationen zwischen Medienhäusern aus und brachte erneut eine Wiederbelebung gemeinsamer Video-Plattformen zwischen ORF und Verlagen ins Spiel.
APA-CEO Clemens Pig skizzierte in seiner Keynote mehrere Grundsätze für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk und bezeichnete den ORF als „zentrale demokratische Infrastruktur“ des Landes. Auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle positionierte sich deutlich für eine Stärkung regionaler Medienstandorte und brachte eine mögliche Anpassung der Digitalsteuer ins Gespräch.

APA-CEO Clemens Pig sprach im Rahmen der Sonderedition des Europäischen Mediengipfels. | © Jan Hetfleisch
Dass viele Diskussionen bei dieser Sonderedition indirekt den ORF betrafen, blieb kaum verborgen. Mehrfach ging es um Public Value, Kooperationen und die zukünftige Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im digitalen Wettbewerb.
ORF-Frage logisch betrachtet
Offiziell bleibt das Rennen um die ORF-Spitze offen. Neben Breitenecker und der bereits öffentlich angetretenen Lisa Totzauer werden weiterhin auch Clemens Pig sowie weitere ORF-interne Kandidaten gehandelt. Auffällig war in Seefeld allerdings weniger die Frage, wer kandidieren könnte — sondern wer bereits sichtbar Führungsverantwortung übernimmt.
Denn während viele Namen spekulativ diskutiert werden, präsentierte sich Ingrid Thurnher in Tirol bereits als aktive Vermittlerin zwischen Politik, Verlagen und Medienbranche. Gerade dadurch wirkte die aktuelle Übergangslösung plötzlich wie eine zunehmend logische Dauerlösung.
(PA/red)


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