Pride Month im Streaming: Queeres Kino aus Österreich
Während die Vienna Pride mit der Regenbogenparade und zahlreichen Veranstaltungen sichtbar wird, rückt der Pride Month auch österreichische Filmproduktionen in den Mittelpunkt. Der KINO VOD CLUB hat dafür zwei kuratierte Streamingprogramme zusammengestellt, die queere Perspektiven im heimischen Kino sichtbar machen. Die Auswahl reicht von preisgekrönten Spielfilmen über Dokumentationen bis zu Werken, die neue Blickwinkel auf Identität, Gesellschaft und Zugehörigkeit eröffnen.

Gregor Schmidinger und Gerald VDH haben für den Pride Month eine Auswahl queerer österreichischer Filme zusammengestellt. | © Warme Bros
Hinter den Programmen stehen zwei unterschiedliche Zugänge. Hinter den Programmen stehen zwei sehr unterschiedliche Zugänge. Das Podcast- und Kreativduo Warme Bros präsentiert persönliche Filmempfehlungen aus dem österreichischen Kino. Parallel dazu lädt das Forschungsprojekt Queer Cinema Austria der Universität Wien zu einer filmhistorischen Entdeckungsreise ein, die mehr als ein Jahrhundert queerer Film- und Fernsehgeschichte umfasst.
Zwei Kuratierungen, ein gemeinsames Thema
Die erste Auswahl stammt vom Podcast- und Kreativduo Warme Bros. Gregor Schmidinger und Gerald VDH haben dafür zehn österreichische Filme ausgewählt, die queere Lebensrealitäten und gesellschaftliche Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen.
Zu den bekanntesten Titeln zählen Sebastian Meises vielfach ausgezeichnetes Drama Große Freiheit, David Wagners Bundesheer-Drama Eismayer, Clara Sterns Sportfilm Breaking the Ice, Monja Arts Coming-of-Age-Geschichte Siebzehn sowie Gregor Schmidingers eigener Spielfilm Nevrland.
Die Auswahl verbindet unterschiedliche Genres und Erzählweisen. Gemeinsam ist den Filmen, dass sie Fragen nach Identität, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen stellen, ohne queere Figuren auf stereotype Rollen zu reduzieren.

Der Streifen „Große Freiheit“ mit Franz Rogowski verkörpert einen Mann, der nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund seiner Homosexualität wiederholt inhaftiert wird.| © Filmladen / Freibeuter Film
Queeres Kino als Teil österreichischer Filmgeschichte
Während Warme Bros vor allem aktuelle und bekannte Produktionen präsentieren, verfolgt Queer Cinema Austria einen breiteren Ansatz. Das Forschungsprojekt der Universität Wien untersucht, wie queere Menschen Filme, Fernsehproduktionen und Videos in Österreich seit mehr als hundert Jahren wahrgenommen und interpretiert haben.
Dabei geht es nicht nur um Filme mit ausdrücklich queeren Hauptfiguren. Die Forscherinnen und Forscher interessieren sich auch für Werke, die von Zuschauerinnen und Zuschauern über Generationen hinweg auf unterschiedliche Weise gelesen und angeeignet wurden.
Das Projekt trägt den Titel „Queer Cinema Austria 1906–2026“ und arbeitet an einer frei zugänglichen Datenbank, die österreichische Film-, Video- und Fernsehproduktionen mit queeren Bezügen dokumentieren soll. Langfristig entsteht daraus eine umfassende Geschichte queerer Filmkultur in Österreich – von den frühen Jahren des Mediums bis in die Gegenwart.

Das Forschungsprojekt Queer Cinema Austria untersucht die Geschichte queerer Film- und Fernsehrezeption in Österreich. | © David Krems
Dokumentarfilme und neue Perspektiven
Zur Auswahl von Queer Cinema Austria gehören mehrere Dokumentar- und Essayfilme, die gesellschaftliche Fragen rund um Geschlecht, Identität und Rollenbilder behandeln.
Dazu zählen unter anderem:
- Feminism WTF von Katharina Mückstein
- FtWTF – Female to What The Fuck von Cordula Thym und Katharina Lampert
- Para:dies von Elena Wolff und Julia Windischbauer
Die Produktionen beschäftigen sich mit Feminismus, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Sie ergänzen die Spielfilme der Warme-Bros-Kuratierung um dokumentarische und gesellschaftspolitische Perspektiven.

„Feminism WTF“ verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit aktuellen Debatten über Geschlechterrollen und gesellschaftliche Strukturen. | © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion / Stadtkino Filmverleih
Digitales Filmfestival zum Pride Month
Anders als klassische Filmfestivals findet dieses Programm nicht an einem bestimmten Veranstaltungsort statt. Die kuratierten Filme sind online über den KINO VOD CLUB abrufbar und können unabhängig von Ort und Zeit gestreamt werden.
Damit entsteht ein digitales Filmfestival, das österreichische Produktionen aus unterschiedlichen Jahrzehnten miteinander verbindet. Während einige Filme in den vergangenen Jahren internationale Aufmerksamkeit erhielten, laden andere dazu ein, weniger bekannte Kapitel österreichischer Filmgeschichte zu entdecken.
Kino für zuhause
Der KINO VOD CLUB versteht sich als Streamingplattform für österreichisches Kino. Neben bekannten Produktionen finden sich dort zahlreiche Dokumentarfilme, Festivalbeiträge und Independent-Werke. Ein Teil der Erlöse fließt an Partnerkinos, wodurch auch nach dem Kinostart heimische Filmkultur unterstützt werden soll.
Im Pride Month bietet die Plattform damit nicht nur eine Sammlung queerer Filme, sondern auch einen Überblick darüber, wie vielfältig queere Geschichten im österreichischen Kino erzählt werden – von historischen Dramen über Dokumentationen bis zu zeitgenössischen Coming-of-Age-Geschichten.
(PA/red)


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