WKW setzt Fußball-WM auf die Wirtshausrechnung

Zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bewirbt die Wirtschaftskammer Wien eine neue Übersicht für Public-Viewing-Angebote in der Bundeshauptstadt. Die Plattform listet Gastronomiebetriebe nach Bezirken und soll Fans den Weg zum passenden WM-Lokal erleichtern. Für die Gastronomie ist das Turnier eine willkommene Gelegenheit, zusätzliche Gäste anzusprechen und bestehende Stammkunden stärker an den Betrieb zu binden.

Die Einträge reichen vom klassischen Beisl über Bars und Pubs bis zu Restaurants. Viele Betriebe planen Sonderöffnungszeiten für die österreichischen Spiele, einige laden bereits zum Frühschoppen um 6 Uhr morgens. Andere verlängern ihre Öffnungszeiten für Nachtspiele oder schaffen zusätzliche Sitzplätze und Bildschirme, um die besondere Turnieratmosphäre ins Lokal zu holen.

Zusätzliche Gäste als wirtschaftliche Chance

Für die Wiener Wirtshäuser kommt die Fußball-WM zu einem guten Zeitpunkt. Nach wirtschaftlich herausfordernden Jahren hoffen Betriebe auf zusätzliche Umsätze im Frühsommer. Die Wirtschaftskammer Wien spricht von einer Chance, neue Gäste zu gewinnen und die Auslastung zu steigern.

Wer die Spiele im eigenen Lokal zeigt, bewegt sich zugleich in einem Umfeld, das von internationalen Rechteinhabern genau geregelt wird. Großturniere wie Welt- oder Europameisterschaften sind milliardenschwere Medien- und Vermarktungsprodukte.

Public Viewing ist nicht gleich Public Viewing

Bei früheren Turnieren haben UEFA und FIFA zwischen der gewöhnlichen Übertagung in Gastronomiebetrieben und kommerziellen Public-Viewing-Veranstaltungen unterschieden. Relevant werden dabei unter anderem Faktoren wie Eintrittsgelder, Sponsoring, Werbepartner oder eigens organisierte Eventformate.

Ein Fernseher im Gastraum ist das eine. Ein beworbenes WM-Event mit Sonderaktionen, zusätzlichen Sitzplätzen oder eigens organisiertem Public Viewing kann etwas anderes sein. Genau für diese Unterschiede veröffentlicht die FIFA eigene Richtlinien.

Ein Blick in die Spielregeln lohnt sich

Die von der Wirtschaftskammer Wien beworbene Plattform soll möglichst viele Betriebe zum Mitmachen motivieren. Gerade deshalb empfiehlt sich für Gastronomen ein Blick auf die jeweils geltenden Rahmenbedingungen und Nutzungsregeln rund um die Weltmeisterschaft.

Für die überwiegende Mehrheit der Betriebe wird das Public Viewing zur Fußball-WM vor allem eines sein: eine Gelegenheit, gemeinsam mit ihren Gästen mitzufiebern. Gleichzeitig erinnert die Geschichte früherer Großturniere daran, dass internationale Sportverbände ihre Vermarktungsrechte sehr genau definieren.

Die von der Wirtschaftskammer beworbene Public-Viewing-Offensive zeigt, wie groß das wirtschaftliche Potenzial der Weltmeisterschaft für die Gastronomie eingeschätzt wird. Wer die WM jedoch als eigenes Event vermarkten möchte, sollte die Spielregeln genauer beachten.

(red)