Bettwanzen im Rucksack vor der Heimreise stoppen
Bettwanzen gehören zu jenen Krabbeltieren, die man als Souvenir nicht mit nach Hause nehmen möchte. Sie können sich in Hotels, Herbergen und Schutzhütten verstecken und über Kleidung, Rucksäcke oder Koffer zum ungebetenen Reisebegleiter werden. Der Österreichische Alpenverein startet deshalb gemeinsam mit den Partnern in Deutschland und Südtirol eine Informationsoffensive. Gäste sollen erfahren, wie sie einen möglichen Befall erkennen und verhindern können, dass Bettwanzen von einer Unterkunft zur nächsten oder bis in die eigene Wohnung gelangen.
Bettwanzen sind übrigens kein Hinweis auf mangelnde Sauberkeit. Sie können unabhängig vom Hygienestandard in Beherbergungsbetrieben auftreten und werden meist von Reisenden unbemerkt eingeschleppt. Das gilt für Hotels ebenso wie für einfache Herbergen und alpine Schutzhütten. Auf den Hütten des Alpenvereins wurden im vergangenen Jahr bei insgesamt 223 Hütten fünf Verdachtsfälle gemeldet.
Bettwanzen reisen im Rucksack weiter
Ausgewachsene Bettwanzen sind mehrere Millimeter groß, jüngere Tiere können jedoch deutlich kleiner und schwerer zu entdecken sein. Hinweise auf einen möglichen Befall sind neben lebenden Tieren auch Häutungsreste, kleine schwarze Kotspuren oder winzige Blutflecken auf Bettwäsche und Schlafsäcken.

Bettwanzen können unabhängig vom Hygienestandard einer Unterkunft auftreten und über das Gepäck der Gäste weitergetragen werden. (Symbolfoto). | © Carolin Scharfenstein
Auch mehrere Bisse oder Hautreaktionen können einen Verdacht auslösen. Sie allein sind allerdings kein sicherer Nachweis für Bettwanzen. Wer während eines Hüttenaufenthalts entsprechende Spuren entdeckt, sollte das Hüttenpersonal informieren.
Um eine Verschleppung zu verhindern, empfiehlt der Alpenverein, Rucksäcke innerhalb der Hütte geschlossen und möglichst weit vom Schlafplatz entfernt aufzubewahren. Getragene Kleidung kann in fest verschließbaren Beuteln oder Drybags verstaut werden. Einige Hütten haben zusätzliche Präventionsmaßnahmen eingeführt und informieren darüber bereits bei der Reservierung oder auf ihren Websites.
So kommen Bettwanzen nicht mit nach Hause
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn während einer Reise tatsächlich Bettwanzen entdeckt wurden oder ein konkreter Verdacht besteht. Kleidung und Gepäck sollten dann nicht unkontrolliert in der Wohnung verteilt werden.
Das Gepäck sollte man vor und nach einer Tour auf einen möglichen Befall kontrollieren. Rucksäcke oder andere Gepäckstücke können dazu beispielsweise in einer Badewanne oder Dusche ausgeschüttet und untersucht werden. Empfohlen wird eine Wäsche bei mindestens 40 Grad oder alternativ eine dreitägige Lagerung bei minus 18 Grad. Wichtig ist vor allem, möglicherweise befallene Kleidungsstücke nicht zunächst im Schlafzimmer oder neben anderen Textilien abzulegen.
Muss ich Kleidung und Koffer wegwerfen?
Wer im Urlaub Bettwanzen entdeckt hat, muss Kleidung, Rucksack oder Koffer nicht vorsorglich entsorgen – und schon gar nicht verbrennen. Entscheidend ist, mögliche Tiere nicht unbemerkt in der Wohnung zu verteilen.
Waschbare Kleidung kann entsprechend behandelt werden. Bei Gepäckstücken ist eine sorgfältige Kontrolle besonders wichtig, da sich Bettwanzen in Nähten, Falten, Taschen und anderen schwer einsehbaren Stellen verstecken können.
Besteht ein konkreter Befallsverdacht, sollten Gegenstände nicht auf Betten, Sofas oder Teppichen ausgepackt werden. Wer nach der Heimkehr Bettwanzen oder eindeutige Spuren in der Wohnung entdeckt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine frühzeitige Bekämpfung kann verhindern, dass sich die Tiere weiter ausbreiten.
Früherkennung erleichtert die Bekämpfung
Auch auf den Schutzhütten spielt die rasche Erkennung eines Befalls eine entscheidende Rolle. Nach Angaben des Alpenvereins werden bei einem Verdachtsfall umgehend weitere Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehören eine professionelle Schädlingsbekämpfung, die Information der Gäste und ein anschließendes Monitoring.
Die besonderen Bedingungen auf alpinen Hütten machen die Bekämpfung aufwendig und teuer. Neben Fachfirmen kommen teilweise auch speziell ausgebildete Spürhunde zum Einsatz, die Bettwanzen aufspüren können.
Mit Flyern, Aushängen, Beiträgen in den Vereinsmedien und Schulungen für Hüttenwirtsleute möchte man nun stärker über das Thema informieren. Ziel ist es, Gäste für einfache Vorsichtsmaßnahmen zu sensibilisieren und gleichzeitig einen offenen Umgang mit Bettwanzen zu fördern.
„Wegschauen ist beim Thema Bettwanzen keine Lösung“, erklärt Carolin Scharfenstein von der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein. Einzelne betroffene Hütten an den Pranger zu stellen, sei jedoch ebenfalls nicht zielführend. Ein Befall könne grundsätzlich jeden Beherbergungsbetrieb treffen.
(PA/red)


© Tomas Lerch
© Sigrid Mayer
© Jobst
© APA/Techt
© Philip Platzer
© Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub