Wiener Bereitschaftseinheit für die rauen Polizeieinsätze
Die Bereitschaftseinheit unterstützt die Wiener Polizei an Kriminalitätsschwerpunkten, bei gewaltsamen Festnahmen, Demonstrationen und plötzlich auftretenden Gefahrenlagen. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat am Samstag ihre rund 200 Polizistinnen und Polizisten als „starke und flexible Einheit“ gewürdigt und die Einsatzbilanz für 2025 präsentiert.
Seit November 2012 gehört die Bereitschaftseinheit zur Wiener Polizei. Doch ihr nüchterner Name lässt kaum erkennen, dass dahinter eine geschlossen auftretende und taktisch ausgebildete Polizeieinheit für körperlich wie psychisch anspruchsvolle Einsätze steht, bei denen es mitunter auch recht rau zugehen kann.
Ursprünglich zur Entlastung der Polizeiinspektionen
Die Bereitschaftseinheit ist für einbruchsgefährdete Gegenden, Suchtgiftszenen sowie bezirksübergreifende Schwerpunktaktionen vorgesehen. Zu ihren ursprünglichen Aufgaben gehörte außerdem die Bestreifung öffentlicher Verkehrsmittel, Fußgängerzonen und anderer stark frequentierter Orte.

Polizei in einem Wiener Einkaufszentrum (Symbolbild). | © APA/Fohringer
Damit sollte sie vor allem die örtlichen Polizeiinspektionen entlasten. Der Rechnungshof hielt nach der Gründung fest, dass Einsätze im Sicherheits- und Ordnungsdienst zunächst auf niederschwellige Anlässe ohne besondere Anforderungen an Ausrüstung und Ausbildung beschränkt waren.
Seit 2019 wurde das Einsatzprofil erweitert. Heute begleitet die Einheit auch Demonstrationen, Fußballspiele und andere Großveranstaltungen. Sie sichert Bereiche, trennt Gruppen voneinander und löst erforderlichenfalls Blockaden auf.
Hinzu kommen Kontrollen an Bahnhöfen, U-Bahn-Stationen und polizeilich definierten Hotspots. Dort geht es unter anderem um Suchtmittel- und Jugendkriminalität, Waffenverbotszonen und fremdenrechtliche Bestimmungen. Auch bei Fahndungen, Gebäudedurchsuchungen und der Festnahme gewaltbereiter Personen wird die Einheit eingesetzt.
Ausbildung für gefährliche Einsätze
Die Bereitschaftseinheit arbeitet zwischen dem regulären Streifendienst und Spezialeinheiten wie WEGA und Cobra. Ihre Mitglieder sind uniformierte und bewaffnete Polizeikräfte mit zusätzlicher taktischer Ausbildung.
Nach einem internen Auswahlverfahren folgt eine sechswöchige Spezialausbildung. Trainiert werden Teamtaktik, Stressbewältigung, Kommunikation und Waffengebrauch. Zu den Übungsszenarien gehören das Auflösen von Sitzblockaden und das Begleiten von Fahrzeugkonvois.
Auch auf Terror- und Amoklagen wird die Einheit vorbereitet. Sie soll dabei nicht die Cobra ersetzen, sondern etwa Bereiche sichern, Menschen aus Gefahrenzonen bringen oder die Versorgung Verletzter unterstützen. Zur Ausstattung gehören Taser und Körperkameras.
940 Festnahmen im Jahr 2025
Derzeit gehören 120 Polizistinnen und Polizisten zum Stammpersonal. Weitere 80 wechseln jeweils für sechs Monate in die Einheit. Sie umfasst acht Züge in zwei Kompanien und trägt den Funkrufnamen „TOSCA“.
Im Jahr 2025 führte die Bereitschaftseinheit laut Innenministerium 940 Festnahmen und 29.234 Identitätsfeststellungen durch. Hinzu kamen 5.749 Verwaltungsanzeigen, 642 Anzeigen wegen Verbrechen und Vergehen sowie 1.789 Organmandate. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 574 Festnahmen und 12.602 Identitätsfeststellungen verzeichnet.
Die Festnahmezahlen umfassen unterschiedliche Rechtsgrundlagen und lassen daher keinen unmittelbaren Rückschluss auf die Art oder Schwere der jeweiligen Vorwürfe zu.

Gerhard Karner bei einer Vistite mit Wiener Bereitschaftseinheit. | © Jürgen Makowecz
Hoher Personalbedarf in Wien
Während das Innenministerium die jederzeitige Verfügbarkeit der Bereitschaftseinheit hervorhebt, muss die Wiener Polizei seit Anfang August täglich durch Kräfte aus vier Bundesländern verstärkt werden. Von Montag bis Samstag werden jeweils 24 Polizistinnen und Polizisten aus Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und dem Burgenland nach Wien entsandt. Sie unterstützen Schwerpunktaktionen der Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität.
Das Innenministerium bezeichnete die tageweisen Zuteilungen gegenüber ORF Wien als übliche Praxis und als Beispiel für eine effiziente Nutzung der verfügbaren Kräfte. Warum für die Aktionen gegen Jugendkriminalität zusätzliche Polizisten aus den Bundesländern benötigt werden, erklärte das Ministerium nicht.
Der Weg zur Bereitschaftseinheit
Eine direkte Bewerbung von außen ist nicht möglich. Interessierte müssen zunächst das Aufnahmeverfahren und die zweijährige Grundausbildung der Bundespolizei absolvieren. Danach folgen ein internes Auswahlverfahren und die sechswöchige Spezialausbildung.
Vorausgesetzt werden unter anderem österreichische Staatsbürgerschaft, ein einwandfreier Leumund, körperliche und persönliche Eignung sowie ein Mindestalter von 18 Jahren bei Ausbildungsbeginn. Aktuelle Ausschreibungen und nähere Informationen finden Interessierte auf polizeikarriere.gv.at
(PA/red)


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