Sommerhoch nach Hoch Kultur Festival im Villgratental

An vier Festivaltagen verfolgten Besucherinnen und Besucher auf Decken und in Liegestühlen die Aufführungen vor der Kulisse der Villgrater Berge. Auf der Bühne trafen Schubert, Jazz, Volksmusik und Literatur aufeinander. Rund 7.000 Besucherinnen und Besucher kamen vom 12. bis 15. August zum zweiten “Hoch Kultur Festival” nach Innervillgraten. Am vergangenen Samstag endete die Ausgabe 2026 mit Standing Ovations.

Der zentrale Spielort lag auf der Unterstalleralm in 1.673 Metern Höhe. Hinter der Bühne stiegen die Villgrater Berge auf, vor ihr verteilte sich das Publikum über die Wiese. Der Weg zum Konzert gehörte zum Festivaltag: Vom Dorf führte ein Shuttlebus bis zur Wegelate Säge, anschließend ging es rund eine Stunde zu Fuß zum Gelände.

Erstmals wurde auch im Dorfzentrum gespielt. Dort eröffnete Nicholas Ofczarek mit Thomas Bernhards Holzfällen und der Musicbanda Franui das Festival. Das dafür errichtete Zirkuszelt bildete den Gegenpol zur offenen Almwiese und stand zugleich als Ausweichspielort bei schlechtem Wetter bereit.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher vor dem Zirkuszelt des Hoch Kultur Festivals in Innervillgraten.

Besucherinnen und Besucher vor dem neuen Festivalzelt im Dorfzentrum von Innervillgraten. | © Alexander C. Kofler

Zwei Bühnen für Innervillgraten

Das Zelt brachte das Festival direkt in den Ort, die Open-Air-Bühne führte das Publikum tiefer ins Tal hinein. Zwischen beiden Spielorten wechselte auch die Atmosphäre: Im Festivalzelt konzentrierte sich das Geschehen auf Schauspiel und Musik, auf der Alm blieben Licht, Wolken und Berghänge stets Teil der Aufführungen.

Franui, 1993 in Innervillgraten gegründet, war Gastgeberin und musikalischer Mittelpunkt des Festivals. Die zehnköpfige Musicbanda traf während der vier Tage auf Künstlerinnen und Künstler aus Klassik, Jazz und zeitgenössischer Musik. Zu den Auftritten gehörten Lieder von Richard Strauss und Gustav Mahler mit der Sopranistin Christiane Karg sowie das abschließende Programm mit Florian Boesch und Pierre-Laurent Aimard.

Musicbanda Franui und Sopranistin Christiane Karg auf der Bühne vor dem Publikum auf der Unterstalleralm.

Die Musicbanda Franui und Sopranistin Christiane Karg vor dem Publikum auf der Unterstalleralm. | © Bernhard Poscher

Festivalleiter Andreas Schett fasste den Charakter des Spielorts so zusammen: „Unter freiem Himmel zu liegen und einen Deutschen Tanz von Franz Schubert, ein bretonisches Volkslied oder eine Jazz-Improvisation zu hören, ist ein unvergleichliches Erlebnis, das unser Publikum wirklich bewegt.“

Kammermusik vor der Bergkulisse

Auch kleinere Besetzungen nutzten die Unterstalleralm als Konzertort. Das Simply Quartet trat gemeinsam mit dem Zymbalspieler Áron Horváth auf. Statt einer vollständigen Abfolge von Programmpunkten prägten solche Begegnungen das Festival: Kunstlied stand neben Zen-Funk, ein Streichquartett neben elektronischer Musik.

Die vier Mitglieder des Simply Quartet mit ihren Streichinstrumenten vor der Berglandschaft bei Innervillgraten.

Das Simply Quartet trat am 13. August beim Hoch Kultur Festival auf der Unterstalleralm auf. | © Bernhard Poscher

Die Almwiese schuf dabei Nähe zwischen Konzert und Landschaft. Musikerinnen und Musiker kamen vor Wäldern und Berghängen auf die Bühne, während das Publikum den Nachmittag unter freiem Himmel verbrachte. Am Abend führte der Weg wieder zurück ins Tal.

Der Bergsommer geht weiter

Innervillgraten liegt auf 1.381 Metern im hinteren Villgratental. Das Osttiroler Seitental zweigt bei Heinfels vom Pustertal ab und reicht bis nahe an die Grenze zu Südtirol. Rund 900 Menschen leben auf einer Gemeindefläche von knapp 88 Quadratkilometern.

Nach dem Festival werden Unterstalleralm und Oberstalleralm wieder zu Wanderzielen. Die denkmalgeschützte Oberstalleralm besteht aus historischen Holzhütten und einer Kapelle. Weiter südlich liegt Kalkstein, Ausgangspunkt für die Wanderung zum Schwarzsee auf 2.455 Metern und für den grenzüberschreitenden Schmugglersteig ins Südtiroler Gsiesertal.

Längere Touren führen über den Bonner Höhenweg oder auf der rund 76 Kilometer langen Herz-Ass-Runde um das Villgratental. Die Gipfel der Villgrater Berge reichen bis knapp an die 3.000-Meter-Marke.

Das Hoch Kultur Festival soll künftig alle zwei Jahre stattfinden. Bis zur nächsten Ausgabe 2028 bleiben seine Schauplätze zugänglich: das Dorf Innervillgraten, die beiden Stalleralmen und jene Wege, über die das Publikum in diesem August zu den Konzerten wanderte.

(PA/red)