Wiener Hitzesommer schmeckt der Weinwirtschaft

Der heißeste Sommer der österreichischen Messgeschichte hat auch in den Wiener Weingärten seine Spuren hinterlassen. Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzten den Reben zu und zwangen Winzer dazu, ihre Rebstöcke zu entlasten. Die verbliebenen Trauben könnten dafür einen besonders guten Jahrgang hervorbringen.

Bei der traditionellen Bürgermeister-Weinlese am Schwarzenbergplatz präsentierte sich die Wiener Weinwirtschaft deshalb besorgt und zugleich zuversichtlich. Bürgermeister Michael Ludwig griff zur Traubenschere und empfahl den Wienerinnen und Wienern anschließend eine ebenso einfache wie angenehme „Soforthilfe-Maßnahme“: einen Heurigen besuchen, Wiener Wein trinken und damit die Betriebe und die Wiener Heurigenkultur unterstützen.

Rund ein Viertel weniger Ertrag erwartet

Die Bürgermeister-Weinlese fand im kleinen Hausweingarten vor dem Gebäude Schwarzenbergplatz 2 statt. Die dortigen Rebstöcke werden vom Weingut Mayer am Pfarrplatz betreut und stehen bei dem jährlichen Termin stellvertretend für den Wiener Weinbau.

Mayer am Pfarrplatz bewirtschaftet rund 80 Hektar Rebfläche und gilt nach Branchenangaben als größtes Weingut Wiens. Seine Flächen liegen innerhalb der Stadtgrenzen, unter anderem am Nussberg, in Grinzing und in Hernals. Der dazugehörige Traditionsheurige befindet sich im Beethovenhaus am Pfarrplatz 2 in Heiligenstadt.

Geleitet wird das Weingut von Thomas Podsednik, der zuvor mehr als 35 Jahre lang für das stadteigene Weingut Cobenzl verantwortlich war. Hans Schmid, Eigentümer von Mayer am Pfarrplatz, sprach bei der Weinlese von einer Hitzewelle, die den Reben in ihrer Intensität und Dauer das Äußerste abverlangt habe.

Für das laufende Jahr rechnet der Betrieb mit Ertragseinbußen von rund 25 Prozent. Neben den unmittelbaren Folgen der Trockenheit wurde in manchen Weingärten die Zahl der Trauben händisch reduziert. Auf diese Weise sollten die Rebstöcke entlastet und die verbliebenen Früchte gerettet werden.

Weniger Trauben, höhere Konzentration

Das Ausdünnen gehört grundsätzlich zu den üblichen Maßnahmen der Ertrags- und Qualitätssteuerung im Weinbau. Der geringeren Menge steht die Aussicht auf besondere Qualität gegenüber. Die Beeren seien gesund und der Most weise hohe Gradationen auf, erklärten Schmid und Weingutsleiter Thomas Podsednik zu Beginn der Lese.

Hohe Gradationen zeigen einen hohen Zuckergehalt der Trauben an. Dieser schafft die Voraussetzung für gehaltvolle Weine mit potenziell höherem Alkoholgehalt. Weil die Rebstöcke ihre Kraft auf weniger Früchte verteilen mussten, erwarten die Winzer dichte, konzentrierte und langlebige Weine.

Der Jahrgang 2026 habe damit das Zeug, denkwürdig zu werden. Ob der Wein tatsächlich so gut schmeckt, wie es die Trauben versprechen, wird sich erst nach Ausbau und Reifung zeigen. Die Vorfreude ist jedenfalls bereits abgefüllt.

Gefahr durch amerikanische Rebzikade

Hitze und Trockenheit sind nicht die einzigen Herausforderungen. Erstmals wurde in Wien auch die amerikanische Rebzikade gesichtet. Das Insekt war zuvor bereits im Burgenland, in der Steiermark und in Niederösterreich aufgetreten.

Die Rebzikade kann die Goldgelbe Vergilbung übertragen. Diese gilt als gefährliche Quarantänekrankheit. Befallene Rebstöcke müssen gerodet werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Weinbau fordert Wasserplan

Der Präsident des Wiener Weinbauverbandes, Norbert Walter, sieht die Betriebe auf die klimatischen Veränderungen grundsätzlich vorbereitet. Schon seit Jahren würden Maßnahmen gesetzt, um die Folgen längerer Trocken- und Hitzeperioden abzumildern.

Dazu zählt die Tröpfchenbewässerung, bei der mit vergleichsweise geringem Wassereinsatz gezielt die einzelne Rebe versorgt wird. Mit einem Anteil von 47 Prozent verfügt Wien laut Weinbauverband außerdem über den höchsten Anteil biologisch bewirtschafteter Rebflächen unter den Bundesländern. Humusaufbau und Begrünung sollen dazu beitragen, mehr Wasser in den Weingärten zu halten.

Walter fordert nun einen gemeinsamen Wassermanagement- und Wassersicherungsplan von Stadt und Landwirtschaft. Da Hitze- und Trockenperioden künftig häufiger auftreten dürften, müsse sich die Wiener Stadtlandwirtschaft langfristig darauf einstellen.

Ludwig empfiehlt den Heurigen

Bürgermeister Ludwig verwies auf die Bedeutung der Wiener Stadtlandwirtschaft für die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln. Die Stadt müsse geeignete politische Rahmenbedingungen für eine ressourcenschonende und nachhaltige Produktion schaffen.

Die Politik allein könne es allerdings nicht richten. Konsumentinnen und Konsumenten könnten die Wiener Weinbaubetriebe unmittelbar unterstützen, indem sie regionale Produkte kauften und die Heurigen besuchten. Dies stärke die Wertschöpfung vor Ort und helfe zugleich, die Wiener Heurigenkultur als immaterielles Kulturerbe zu erhalten.

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Wiener Weinprinzessin Anna Langes und Bürgermeister Michael Ludwig. | © Stadt Wien / Christian Jobst

Auch die Stadt besitzt Weingärten

Ob die für Mayer am Pfarrplatz erwarteten Ertragseinbußen auch andere Wiener Betriebe treffen, lässt die Rathauskorrespondenz offen. Die Frage stellt sich nicht zuletzt für das stadteigene Weingut Wien Cobenzl.

Mit rund 60 Hektar Rebfläche zählt es zu den bedeutendsten Wiener Weinbaubetrieben und erzeugt jährlich rund 400.000 Flaschen Qualitätswein. Sollten Hitze und Trockenheit auch dort die Ernte verringert haben, wären nicht nur private Winzer, sondern auch die Stadt Wien selbst von Einbußen betroffen.

Ein wenig Trost bleibt: Wenn die Trauben am Cobenzl ebenso gesund und zuckerreich geraten sind wie jene von Mayer am Pfarrplatz, könnte auch der stadteigene Wein 2026 umso kostbarer ausfallen. Ein edler Tropfen lässt sich schließlich besser vermarkten als bloße Menge.

(PA/red)