Österreichs beste Forschungs-Start-ups ausgezeichnet
Im Festsaal der Industriellenvereinigung in Wien wurden erneut Projekte ausgezeichnet, die wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Geschäftsmodelle überführen. Der österreichische Gründungspreis PHÖNIX gilt seit Jahren als Schaufenster für jene Innovationsprojekte, aus denen später oft erfolgreiche Technologieunternehmen entstehen.

Durch die Verasntaltung führte Sara Grasel von der Industriellenvereinigung. | © Martin Lusser / APA/AWA
Der Wettbewerb wird seit 2012 im Auftrag des Wissenschaftsministeriums und des Wirtschaftsministeriums vergeben. Aus 129 Einreichungen wurden heuer elf Finalteams mit zwölf Projekten nominiert. Besonders stark vertreten waren Einreichungen aus Wien, der Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich.
Forschung als wirtschaftlicher Rohstoff
Der PHÖNIX-Preis zeigt vor allem, wie stark Österreichs Innovationssystem auf den Austausch zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft angewiesen ist. Viele der nominierten Projekte entstehen zunächst in akademischen Laboren, bevor sie in Form von Start-ups oder Spin-offs den Schritt in den Markt wagen.

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner | © Martin Lusser / APA/AWA
Genau dieser Übergang gilt als entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit eines Technologiestandorts. Während Österreich über eine gut ausgebaute Forschungslandschaft verfügt, wird seit Jahren diskutiert, wie wissenschaftliche Ergebnisse schneller in wirtschaftliche Anwendungen und international skalierbare Unternehmen überführt werden können.
Förderinstitutionen wie die Austria Wirtschaftsservice (aws) und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) spielen dabei eine zentrale Rolle. Allein die FFG unterstützte im vergangenen Jahr Start-ups und Spin-offs mit rund 93 Millionen Euro.
Vier Kategorien zeigen den Weg zum Unternehmen
Der PHÖNIX-Preis deckt verschiedene Entwicklungsphasen von Innovation ab. Die Kategorie Prototyp richtet sich an technische Entwicklungen aus der Forschung, während Spin-off und Start-up bereits gegründete Unternehmen auszeichnen. Mit der Kategorie Female Entrepreneurs wird gezielt die Sichtbarkeit von Gründerinnen im High-Tech-Bereich gestärkt.

v.l.n.r.: Zwei Finalistinnen der Kategorie „Prototyp“ von der Wirtschaftsuniversität Wien mit Ehrenurkunde, Elisabeth Zehetner, die „Female Entrepreneurs“ Julia Reisinger und Maria Zahlbruckner (factorymaker) sowie Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner.| © Martin Lusser / APA/AWA
Zu den Preisträgerinnen in dieser Kategorie zählen Julia Reisinger und Maria Zahlbruckner vom Unternehmen factorymaker. Das Start-up entwickelt eine KI-basierte Plattform, die die Planung von Industriegebäuden automatisiert und innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Layout-Varianten für Produktionsstätten berechnet.
In der Kategorie Prototyp wurde imd BIOTECH ausgezeichnet. Das Unternehmen entwickelte eine Technologie zur schnellen Identifikation von Bakterien, die insbesondere für Lebensmittelproduzenten relevant ist.

Kategorie Prototyp: v.l.n.r. Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws), Eva-Maria Holzleitner, Kerrin Steensen und Thomas Werzer (imd BIOTECH), Elisabeth Zehetner | © Martin Lusser / APA/AWA
Der Spin-off-Preis ging an Moldsonics, dessen Ultraschallsensorik Produktionsprozesse in der Kunststoffindustrie in Echtzeit überwacht. Dadurch lassen sich Ausschuss und Materialverbrauch reduzieren.

Kategorie Spin-off:: v.l.n.r. Elisabeth Zehetner, Elisabeth Lackner (Astrum), Bernhard Praher (Moldsonics), Eva-Maria Holzleitner | © Martin Lusser / APA/AWA
Als Start-up des Jahres wurde voidsy prämiert. Das Unternehmen entwickelte ein photothermisches Tomographiesystem, das versteckte Materialdefekte in Bauteilen sichtbar macht – eine Technologie mit Anwendungen etwa in Luftfahrt, Automobilindustrie oder Energieanlagen.

Kategorie Start-up: v.l.n.r. Eva-Maria Holzleitner, Werner Müller (FFG), Gregor Thummerer und Holger Plasser (voidsy GmbH), Elisabeth Zehetner | © Martin Lusser / APA/AWA
Kapital entscheidet über den nächsten Schritt
Viele dieser Technologien adressieren internationale Märkte und industrielle Anwendungen. Entscheidend für ihren wirtschaftlichen Erfolg ist daher weniger der heimische Markt als vielmehr die Fähigkeit zur internationalen Skalierung.
Genau hier sehen die Branchenvertreter eine zentrale Herausforderung: Während Forschung und Frühphasenförderung in Österreich vergleichsweise gut funktionieren, fehlt es vielen jungen Technologieunternehmen an ausreichend Wachstumskapital.
Initiativen wie ein geplanter Scale-up-Fonds sollen künftig mehr privates Risikokapital mobilisieren. Der PHÖNIX-Preis versteht sich daher nicht nur als Auszeichnung für innovative Projekte, sondern auch als Plattform, um junge Technologieunternehmen sichtbar für Investoren und Industriepartner zu machen.
(PA/red)


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