Stärkster Supercomputer des Landes bereit für Business
Mit der offiziellen Inbetriebnahme des Hochleistungsrechners MUSICA (Multi-Site Computer Austria) baut Österreich seine digitale Forschungs- und KI-Infrastruktur deutlich aus. Das auf Wien, Linz und Innsbruck verteilte System zählt zu den 100 schnellsten Supercomputern der Welt und soll künftig nicht nur Universitäten, sondern auch Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Die feierliche Eröffnung fand am Freitag an der Johannes Kepler Universität Linz statt.

Feierliche Eröffnung des Supercomputers MUSICA am Standort Wien. | © TUW_ASC / Matthias Heisler
Ein Supercomputer an drei Standorten
MUSICA ist kein einzelner Rechner in einem Rechenzentrum, sondern ein verteiltes Hochleistungsrechnersystem. Die Infrastruktur befindet sich an drei Standorten: im Science Center Arsenal der TU Wien, an der Universität Innsbruck sowie an der Johannes Kepler Universität Linz. Alle Komponenten werden zentral verwaltet und können gemeinsam oder unabhängig voneinander betrieben werden. Dadurch steigt nicht nur die verfügbare Rechenleistung, sondern auch die Ausfallsicherheit.
Entwickelt wurde MUSICA vom Konsortium Austrian Scientific Computing (ASC), dem die TU Wien, die Universität Wien, die BOKU University, die TU Graz, die Universität Innsbruck, die Johannes Kepler Universität Linz sowie das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) angehören.

Vorstandsvorsitzender der IKB Thomas Pühringer, Vizerektor der Universität Innsbruck Gregor Weihs vor dem Supercomputer MUSICA am Standort Innsbruck. | © Universität Innsbruck
Rechenleistung für Forschung und Wirtschaft
Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Partneruniversitäten das System kostenlos nutzen können, steht MUSICA auch Unternehmen sowie öffentlichen Institutionen offen. Der Zugang erfolgt über Pay-per-Use-Modelle, sodass Rechenleistung projektbezogen angemietet werden kann.
Damit richtet sich das System nicht ausschließlich an die Forschung. Immer mehr Unternehmen benötigen heute enorme Rechenkapazitäten, etwa für das Training von KI-Modellen, komplexe Simulationen oder die Analyse großer Datenmengen. Für viele Betriebe wäre der Aufbau eigener Hochleistungsrechner wirtschaftlich kaum sinnvoll.
So könnten beispielsweise Architekturbüros Windströmungen rund um neue Gebäude simulieren, Maschinenbauer digitale Prototypen berechnen oder Pharmaunternehmen Millionen möglicher Wirkstoffkombinationen analysieren. Auch Start-ups, die Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz entwickeln, erhalten damit Zugang zu einer Infrastruktur, die bislang vor allem großen Technologiekonzernen vorbehalten war.
Schlüsseltechnologie für den Wirtschaftsstandort
Mit einer Leistung von 45,11 Petaflops übertrifft MUSICA die bisherigen österreichischen Supercomputer VSC-4 und VSC-5 um mehr als das Achtfache. Herzstück des Systems sind mehr als 1.000 NVIDIA-Grafikprozessoren, die speziell für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz und High Performance Computing ausgelegt sind.
Der Ausbau erfolgt nicht zufällig. Weltweit investieren Staaten derzeit Milliarden in eigene Hochleistungsrechner und KI-Infrastrukturen. Sie gelten zunehmend als strategische Voraussetzung für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Unabhängigkeit. Auch Österreich verfolgt mit Programmen wie Quantum Austria und europäischen Initiativen zum Aufbau gemeinsamer KI-Infrastruktur dieses Ziel.
Investition in die digitale Zukunft
Für Aufbau und Beschaffung von MUSICA wurden insgesamt rund 45 Millionen Euro bereitgestellt. Rund 20 Millionen Euro stammen aus dem Förderprogramm Quantum Austria über die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), weitere 16 Millionen Euro steuerte das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung bei. Für den Quantencomputer OTTER, der über MUSICA erreichbar ist und die Infrastruktur um Quantencomputing ergänzt, wurden zusätzlich rund neun Millionen Euro investiert.
Mit der Finanzierung sind Aufbau und Beschaffung der Systeme gesichert. Die beteiligten Universitäten sehen nun jedoch den langfristigen Betrieb als größte Herausforderung. Stromversorgung, Kühlung und Wartung müssen dauerhaft finanziert werden. Vertreter des ASC-Konsortiums betonten bei der Eröffnung, dass ausreichende Universitätsbudgets notwendig seien, damit Österreich die neue Infrastruktur auch künftig auf internationalem Spitzenniveau betreiben kann.
Gleichzeitig soll sich die Investition möglichst breit auszahlen. MUSICA steht deshalb nicht mehr ausschließlich der Wissenschaft offen. Über Pay-per-Use-Modelle können künftig auch Unternehmen und öffentliche Einrichtungen Hochleistungsrechenleistung für KI-Anwendungen, Simulationen und datenintensive Projekte nutzen. Die Betreiber sehen darin einen wichtigen Schritt, um den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Österreich gleichermaßen zu stärken.
(PA/red)


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