Klima Biennale Wien hebt Gummi-Wal aus dem Becken
Mit mehr als 66.000 Besucherinnen und Besuchern, 24 Ausstellungen und rund 250 Veranstaltungen ist die zweite Ausgabe der Klima Biennale Wien zu Ende gegangen. Zwischen KunstHausWien, Karlsplatz und zahlreichen Projekten im öffentlichen Raum wurde Wien in den vergangenen Wochen erneut zur Bühne für Klimafragen, gesellschaftliche Debatten und künstlerische Interventionen.

Künstlerin Margot Pilz und Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bei der Präsentation vor der Karlskirche. | © keymedia
Besonders sichtbar war die Biennale im öffentlichen Raum. Vor allem der Karlsplatz entwickelte sich mit Installationen von Margot Pilz, Pia Sirén, Folke Köbberling oder Zheng Mahler zu einem zentralen Treffpunkt der Veranstaltung. Die aufblasbare Wal-Installation „Kaorle am Karlsplatz 2026“ von Margot Pilz sorgte laut Veranstaltern allein für knapp 95.000 gemessene Besucherfrequenzen und entwickelte sich zu einem der meistfotografierten Motive der Biennale. Auch international stieß das Projekt auf Aufmerksamkeit und wurde unter anderem von der New York Times aufgegriffen.
Kunst zwischen Klima, Alltag und Aktivismus
Die Biennale setzte von 9. April bis 10. Mai 2026 stärker auf kompakte Laufzeiten und sichtbare Eingriffe im Stadtraum. Insgesamt beteiligten sich laut Veranstaltern 173 Künstlerinnen und Künstler an Projekten an 82 Standorten, darunter 32 Orte unter freiem Himmel. Neben klassischen Ausstellungen standen auch Diskussionen, Workshops, Yoga-Sessions, Lesungen oder Silent Discos auf dem Programm.

Künstler Tue Greenfort bei seiner Installation „Monoculture“ im KunstHausWien. | © keymedia
Im KunstHausWien bildeten die beiden Hauptausstellungen „Seeds. Reclaiming Roots, Sowing Futures“ sowie „I Wish We Had More Time“ die inhaltlichen Schwerpunkte. Dort wurden Fragen rund um Biodiversität, Ressourcen, Artenverlust und gesellschaftliche Zukunftsmodelle verhandelt. Parallel dazu verlagerte sich ein großer Teil der Biennale bewusst aus dem Museumsraum hinaus in die Stadt.
Großformatige Murals, temporäre Installationen und Projekte im Stadtraum machten Klima- und Nachhaltigkeitsthemen direkt im Alltag sichtbar. Besonders auffällig blieb etwa das großformatige Mural des Künstlerduos NEVERCREW in der Baumgasse im 3. Bezirk, das dauerhaft erhalten bleiben soll.

Mural des Künstlerduos NEVERCREW | © keymedia
Zwischen Kulturfestival und politischem Diskursraum
Begleitet wurde die Biennale erneut von Diskussionen über die Rolle von Kunst im gesellschaftlichen und politischen Kontext. Der Klimagipfel im Funkhaus Wien brachte unter anderem Klimaforscher, Aktivistinnen und Wissenschaftler zusammen, darunter Luisa Neubauer, Sigrid Stagl oder Franz Essl.
Schon im Vorfeld hatte sich gezeigt, dass die Klima Biennale bewusst stärker als gesellschaftlicher Debattenraum positioniert wird — also nicht nur als klassische Kunstausstellung, sondern als Schnittstelle zwischen Kultur, Klimaaktivismus, Wissenschaft und Stadtpolitik. Gerade diese Verbindung prägte viele Installationen im öffentlichen Raum sichtbar mit.
Zugleich blieb die Biennale auch ein Beispiel dafür, wie sehr sich internationale Ausstellungsformate verändern. Während traditionelle Biennalen häufig primär auf Kunstmarkt, internationale Kuratoren und museale Positionen fokussiert waren, rücken heute zunehmend gesellschaftliche Themen, Aktivierung des Stadtraums und politische Fragestellungen in den Mittelpunkt.

Ein aus Erde modelliertes SUV von Folke Köbberling im öffentlichen Raum. | © keymedia
Einige Projekte bleiben weiterhin sichtbar
Auch nach dem offiziellen Ende bleiben mehrere Projekte weiterhin bestehen. Neben dem NEVERCREW-Mural laufen einzelne Ausstellungen im KunstHausWien noch bis in den Sommer beziehungsweise bis Anfang 2027 weiter. Auch verschiedene Installationen im Stadtraum bleiben vorerst erhalten.
Die Klima Biennale Wien wurde von der Stadt Wien initiiert und vom KunstHausWien veranstaltet. Nach den ersten beiden Ausgaben etabliert sich das Format damit zunehmend als fixer Bestandteil des Wiener Kulturkalenders zwischen Kunstfestival, Stadtraumprojekt und gesellschaftlichem Zukunftslabor.

Der Wal im Wasserbecken vor der Karlskirche war Teil der Installation „Kaorle“ von Margot Pilz bei der Klima Biennale Wien 2026. | © keymedia Wien
Während der Karlsplatz-Wal von Margot Pilz nun wieder sicher aus dem Becken gehoben wurde und wohl auch künftig auf Umweltfragen aufmerksam machen wird, nahm die Geschichte eines anderen Wals zuletzt ein deutlich tragischeres Ende.
(PA/red)


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