Befreiungsfeier erinnert an Verantwortung der NS-Täter
Mit der Internationalen Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte KZ-Gedenkstätte Mauthausen erinnert Österreich heute an die Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen durch die US-Armee am 5. Mai 1945. Tausende Teilnehmer:innen aus dem In- und Ausland werden zu den Gedenkveranstaltungen erwartet, darunter Überlebende, Jugenddelegationen, internationale Opferverbände sowie Vertreter:innen aus Politik und Zivilgesellschaft.
Die zentrale Feier beginnt am späten Vormittag mit der Verlesung des „Mauthausen-Schwurs“ durch Jugendliche in mehreren Sprachen. Bereits davor formieren sich internationale Delegationen zum traditionellen Gedenkzug über das Gelände des ehemaligen Lagers. Angeführt wird dieser von Schüler:innen aus Mauthausen sowie von Zeitzeug:innen und Überlebenden. Moderiert wird die Feier mehrsprachig von Mercedes Echerer und Konstanze Breitebner.

Teilnehmer:innen verweilen vor der Erinnerungsmauer in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. | © MKÖ / Alissar Najjar
Täterrollen als Schwerpunkt des Gedenkens
Die Feier zum 81. Jahrestag steht heuer unter dem Schwerpunkt „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“. Das Mauthausen Komitee Österreich richtet den Fokus damit bewusst nicht nur auf die Opfer des NS-Terrors, sondern auch auf jene Menschen, die das System ermöglichten, absicherten und aufrechterhielten.
Das NS-Lagersystem habe nicht allein durch Befehle der Führung funktioniert, sondern durch zehntausende Menschen in Verwaltung, Wachmannschaften, Medizin, Wirtschaft und Alltag. Der KZ-Komplex Mauthausen mit seinen mehr als 40 Außenlagern sei tief in gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen eingebunden gewesen.
Besonders hervorgehoben wird dabei, dass Täter:innen nicht nur durch direkte Gewalt agierten. Auch Verwaltung, Organisation, Opportunismus und gesellschaftliches Wegsehen hätten das Funktionieren des Systems ermöglicht. Die historischen Aufarbeitungen verweisen darauf, dass viele Beteiligte aus der Mitte der Gesellschaft kamen und sich autoritären Strukturen sowie ideologischer Propaganda unterordneten.
Erinnerung als Auftrag für die Gegenwart
Die heurige Befreiungsfeier zieht bewusst Parallelen zur Gegenwart. Das Mauthausen Komitee verweist auf steigende rechtsextreme und antisemitische Vorfälle in Europa, auf die Verbreitung von Verschwörungserzählungen sowie auf zunehmende demokratiefeindliche Entwicklungen im digitalen Raum. Die Erinnerung an Mauthausen sei deshalb nicht nur historisches Gedenken, sondern auch politische Mahnung.
Vertreten ist bei der Feier auch das offizielle Österreich, darunter Vizekanzler Andreas Babler, mehrere Regierungsmitglieder sowie Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer. Die Feier wird live auf ORF III sowie international online übertragen.
Befreit wurde Mauthausen
Das Gedenken in Mauthausen erinnert zugleich an eine historische Tatsache, die in Österreich jahrzehntelang verdrängt wurde: Befreit wurde das Konzentrationslager durch die US-Armee – besiegt wurden NS-Deutschland und das nationalsozialistische Österreich. Die Veranstalter sehen darin auch eine klare Absage an jede Form der Täter-Opfer-Umkehr und an die lange gepflegte österreichische Opferthese der Nachkriegszeit.
Knapp 200.000 Menschen aus mehr als 40 Nationen waren im KZ Mauthausen und seinen Außenlagern inhaftiert. Rund die Hälfte von ihnen überlebte das System aus Zwangsarbeit, Hunger, Misshandlung und Mord nicht.
(PA/red)


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