Corona-Gedicht als Bilderbuch für den Coffee Table

Die große Pandemie stellt für viele Menschen auf diesem Planeten eine große Herausforderung dar und sie bereitet Kummer. Zuhause bleiben müssen, und soziale Kontakte einfrieren, fordern ihren Tribut. Psychiater warnen bereits vor einem “weltweiten Tsunami schwerer psychischer Leiden” infolge der verordneten Isolation und Angst. Eine pensionierte Seelsorgerin aus Wisconsin konnte sich schon am Beginn der Krise mit den Problemen identifizieren. Kitty O’Meara schrieb ein paar Worte in ihr Notizbuch, beginnend mit der Zeile: Und die Menschen blieben zu Hause. Danach hat sie ihr Gedicht auf Facebook und ihrem Blog gepostet. Und so ging “And the people stayed home” viral und wurde viele Millionen Mal geteilt. Jetzt gibt es auch ein Buch dazu.

Kitty O'Meara Bilderbuch "Und die Menschen blieben zu Hause."

Kitty O’Meara Buch “Und die Menschen blieben zu Hause.” mit Illustrationen von Stefano Di Cristofaro und Paul Pereda. Aus dem Englischen von Jennifer Holleis | © Goldblatt Verlag

Und die Menschen blieben zu Hause 

Anstatt eine professionelle Schriftstellerin zu werden, wie O’Meara als Mädchen gehofft hatte, arbeitete sie als Mittelschullehrerin, Sterbebegleiterin und spirituelle Seelsorgerin. In ihrem Poem “Und die Menschen blieben zu Hause” greift sie das Thema Einsamkeit auf, die von vielen älteren Menschen aufgrund der Pandemie als belastend empfunden wird. Ein halbes Jahr später kommen ihre schlanken Zeilen, die unter anderem von Deepak Chopra, Oprah Winfrey, Lindsey Lohan und Kate Winslet auf Facebook und Instagram geteilt wurden, in Buchform heraus. 

And the people stayed home

Am 1. Dezember 2020 erscheint das Gedicht der Amerikanerin Kitty O’Meara als eindrucksvoll illustriertes Bilderbuch im Goldblatt Verlag. Da ihre Zeilen bereits millionenfach auf Facebook und Instagram geteilt wurden, ist die nachstehende Übersetzung von “And the people stayed home” auf Deutsch kein Spoiler. Erst die reichhaltigen Illustrationen des Buches geben dem Gedicht einen Sinn.

Und die Menschen blieben zu Hause. Und lasen Bücher, und hörten zu, und ruhten sich aus, und übten Sport aus, und machten Kunst, und spielten Spiele, und lernten neue Arten des Daseins, und waren still. Und hörten intensiver zu. Einige meditierten, manche beteten, andere tanzten. Einige trafen ihre Schatten. Und die Menschen begannen anders zu denken.

Und die Menschen heilten. Und, in der Abwesenheit von Menschen, die auf unwissende, gefährliche, gedankenlose und herzlose Weise lebten, begann die Erde zu heilen.

Und als die Gefahr vorüber war, und die Menschen sich wieder zusammenschlossen, trauerten sie um ihre Verluste, und trafen neue Entscheidungen, und träumten neue Bilder, und schufen neue Wege zu leben und die Erde vollkommen zu heilen, so wie sie geheilt worden waren.

Kitty O’Meara als Bilderbuch

Von ihrem Bauernhaus in Wisconsin aus schrieb die ehemalige Seelsorgerin ein paar Worte des Nachdenkens in ihr Notizbuch, die vielen Menschen aus der Seele sprachen und über das Internet viral gingen. “Die Resonanz ist überwältigend”, sagt O’Meara, die mit einem Satz, und in wenigen Sätzen, und mit vielen Beistrichen, in der Buchbranche gelandet ist.

“Und die Menschen blieben zu Hause” stellt die erzwungene Einsamkeit und das Verlangen nach Selbstfindung auf eine Stufe, was viele romantische Gedankenzüge trägt. Bücher lesen, Kunstprojekte starten und den Selbsterhaltungstrieb intensiv auskosten, hat eine Zeit lang gut getan. Vor allem in den ersten Wochen nach dem Shut-Down im März. Es war und ist das Privileg jeder gebildeten und wohlhabenden Gesellschaft, sich in Krisenzeiten und Isolation mit Geistesnahrung zu stärken.

Herzlose Abwesenheit

Mit Erscheinungstermin von “Und die Menschen blieben zu Hause” am 1. Dezember 2020 sind die Gedanken vieler Erdenbürger weiter gewandert und die Selbstfindung ist bei manch einem zum Schreckgespenst erstarrt. Aus arbeitslosen Kellnern wurden keine Schauspieler, aus Marketing-Experten im Homeoffice keine Schriftsteller, und aus Teenagern im Plattenbau noch immer keine Rap-Stars. Die Menschen abzugrenzen und auf Distanz zu halten, um sie vor dem Virus zu schützen, fordert seinen Tribut. Pflegeheime und Hospize werden noch stärker bewacht als im März, die Heilung reißt immer tiefere Wunden. Dabei sind Kontakte gerade für ältere Menschen überaus wichtig. 

Und als die Gefahr vorüber war

Kitty O’Meara hat den Ausbruch aus der Kontaktlosigkeit mit einem Gedicht geschafft und wird Oprah geschickt vermarktet. Für den Rest der Menschheit wird es noch ein Weilchen dauern, bis sie endlich heilen darf. Wäre die Zeit schon vorüber, hätten viele Zeilen und Worte wohl keine Bedeutung mehr, denn die vermeintliche Idylle wäre längst entlarvt worden. Das illustrierte Corona-Gedichtbuch von Kitty O’Meara passt perfekt auf jeden Coffee Table daheim, man kann die heile Welt betrachten und darüber sinnieren, ob man sich darin endlich wiederfindet. Bevor man das Bilderbuch seinen Gästen mit Kaffee und Kuchen servieren kann, blättert man es eben alleine durch. Und wenn die Gefahr vorüber ist, kann man “Und die Menschen blieben zu Hause” ans Wien Museum vermachen. Eine Fünf-Sterne-Bewertung hat das Buch bereits.

(PA/red)

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