Kerzen und Gebete begleiten durch die Maturaprüfungen

Wenn die Matura näher rückt, steigt die Nervosität. Mit der Aktion „Be Blessed!“, einem österreichweiten Maturasegen, können Schülerinnen und Schüler für ihre Prüfungstage Kerzen anzünden lassen – als Zeichen der Begleitung und Ermutigung.

Die Tage vor der Matura haben ihren eigenen Rhythmus. Lernpläne werden noch einmal durchgesehen, Notizen wiederholt, Formeln gefestigt, mündliche Prüfungen einstudiert. Gleichzeitig wächst die Anspannung. Es kommen Ängste und Selbstzweifel hoch, ob das Können reicht – ob die körperliche und seelische Verfassung stark genug ist. Viele befällt das Gefühl: Man hat sich vorbereitet – und trotzdem bleibt ein Rest Unsicherheit.

Gerade in solchen Momenten suchen junge Menschen nach etwas, das über das reine Lernen hinausgeht. Einen Moment der Ruhe, ein Ritual, ein Insichgehen, das Kraft gibt. Für viele gehört dazu das Anzünden einer Kerze oder ein stilles Gebet vor einer wichtigen Prüfung. Mit der Initiative „Be Blessed!“ greift die Kirche diese Erfahrung auf und verbindet eine alte Tradition mit neuen Formen der Begleitung.

Kerzenständer mit Schild Matura als Symbol für den Maturasegen in Österreich

Kerzenlicht begleitet Jugendliche durch die Tage der schriftlichen Matura. | © EDW / Stephan Schönlaub

Kerzen als Zeichen der Begleitung

An den Tagen der schriftlichen Matura werden in verschiedenen Kirchen in Österreich Kerzen entzündet – für jene, die sich zuvor angemeldet haben. Das Licht steht symbolisch für Begleitung, Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Die Teilnahme ist kostenlos und offen für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Eltern, Großeltern oder Freundinnen und Freunde. Wer möchte, kann seine konkreten Prüfungstage auswählen. Für diese Termine wird dann gebetet – als Zeichen, dass jemand an einen denkt und mitträgt.

Die Tradition, in schwierigen Lebenssituationen um Beistand zu bitten, passt auch zu Prüfungen, die ein Leben zwar selten entscheiden, aber den Weg in eine neue Richtung lenken. Wer sich vor solchen Weggabelungen sieht, wird ein Zeichen der Kraft und Beständigkeit gerne annehmen.

Begleitung, die auch digital erreichbar ist

Ergänzend zum Kerzenritual erhalten die Angemeldeten am Morgen ihrer Prüfung eine persönliche Segensbotschaft. Diese wird als kurzes Video verschickt und stammt von Ordensleuten, Bischöfen, Jugendseelsorgerinnen und weiteren kirchlichen Mitarbeitenden.

Damit verbindet die Initiative klassische religiöse Zeichen mit den Kommunikationsformen des Alltags. Das Ritual bleibt in der Kirche – die Botschaft erreicht die Jugendlichen dort, wo sie sich heute bewegen: auf dem Smartphone.

Die Aktion findet heuer bereits zum fünften Mal in ganz Österreich statt. Neu ist die Beteiligung von Südtirol, wo ebenfalls Kerzen für die dortigen Maturantinnen und Maturanten entzündet werden.

In Kirchen werden Kerzen für angemeldete Prüfungstage entzündet – als Zeichen des Gebets.

Josef Grünwidl entzündet Kerze für den Maturasegen in einer Wiener Kirche | © EDW / Stephan Schönlaub

Mut schöpfen – keine Wunder erwarten

Die Zahlen aus dem Vorjahr zeigen, wie stark das Angebot angenommen wird: Mehr als 13.000 Segensnachrichten wurden verschickt, für über 3.600 Schülerinnen und Schüler wurde gebetet. Besonders häufig wurde Unterstützung für die Mathematik-Matura angefragt – ein Fach, das für viele als besonders herausfordernd gilt.

Auch kirchliche Vertreter erinnern sich gut an die eigene Nervosität vor der entscheidenden Abschlussprüfung. Wiens Erzbischof Josef Grünwidl etwa blickt auf seine eigene Matura zurück und spricht davon, wie groß die Aufregung vor der Mathematikprüfung war – und wie sich im Nachhinein zeigte, dass vieles doch zu schaffen ist.

Diese Erfahrung steht im Zentrum der Initiative: nicht Wunder zu erwarten, sondern Vertrauen zu stärken.

Ein Moment der Ruhe vor dem großen Schritt

Am Ende bleibt die Matura eine persönliche Leistung. Lernen, Üben und Durchhalten lassen sich nicht ersetzen. Doch ein Segenswunsch kann helfen, einen Moment innezuhalten und sich neu zu sammeln – danach durchzuatmen und zu sagen:

„Komme, was wolle – ich pack das.“

(PA/red)