Wien ehrt Sagmeister mit Goldenem Verdienstzeichen
Die Stadt Wien hat den international renommierten Grafikdesigner, Typografen und Künstler Stefan Sagmeister mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte am Donnerstag im Wiener Rathaus durch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler im Namen von Bürgermeister Michael Ludwig.
Sagmeister zählt zu den einflussreichsten Gestaltern seiner Generation. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen kommerziellem Grafikdesign, Kunst und gesellschaftlicher Reflexion. Sie haben das visuelle Erscheinungsbild der Popkultur über Jahrzehnte mitgeprägt.
Vom Albumcover zur Designikone
Bekannt wurde Sagmeister in den 1990er-Jahren vor allem durch seine radikalen und oft körperlich inszenierten Arbeiten für die Musikindustrie. Albumcover, Poster und Flyer waren für ihn nie bloße Auftragsarbeiten, sondern Experimentierfelder für eine neue, unmittelbare Bildsprache.

Stefan Sagmeister wurde im Wiener Rathaus mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien geehrt. | © Stadt Wien/Markus Wache
Seine Arbeiten für Künstler wie Lou Reed, The Rolling Stones oder David Byrne gelten heute als Referenzpunkte im Grafikdesign. Sagmeister verband Typografie mit Körperlichkeit, Ironie und oft auch mit persönlichem Risiko – etwa wenn er Schriftzüge in seine eigene Haut ritzte oder physische Prozesse zum Teil des Designs machte.
Ein exemplarisches Werk aus dieser Phase ist das Poster „Sagmeister on a Binge“: eine drastische Vorher-Nachher-Inszenierung, die den Designer selbst zum Motiv macht und Fragen nach Konsum, Selbstinszenierung und Disziplin aufwirft. Es steht stellvertretend für eine Zeit, in der Gestaltung nicht nur Oberfläche, sondern Haltung war.

Das Plakat „Sagmeister on a Binge“ zählt zu den auffälligen Selbstinszenierungen seiner früheren Designphase. | © Stefan Sagmeister & Matthias Ernstberger
Zwischen Kunst und Optimismus
Mit dem wachsenden internationalen Erfolg verlagerte sich Sagmeisters Arbeit zunehmend in ein Spannungsfeld zwischen Auftragsdesign und künstlerischer Praxis. Kommerzielle Projekte blieben zentraler Bestandteil seines Schaffens – allerdings nie im klassischen Sinn. Statt bloßer Dienstleistung verstand Sagmeister sie als Plattform für inhaltliche Experimente.
Gerade in der Zusammenarbeit mit Marken und Institutionen begann sich ein Crossover abzuzeichnen: Grafikdesign wurde bei ihm zur Trägerform künstlerischer Ideen. Funktion und Botschaft verschränkten sich, visuelle Gestaltung wurde zum Medium für Haltung.
Diese Entwicklung zeigt sich exemplarisch in Projekten wie den Illy Espresso Cups. Hier verbindet Sagmeister Daten, langfristige gesellschaftliche Entwicklungen und Produktdesign zu einer eigenen Erzählung. Das Ergebnis ist eine Form angewandter Kunst, die zugleich im kommerziellen Kontext funktioniert.

Auch die Verpackung der Illy Kollektion trägt Sagmeisters Handschrift. | © Illy Art Collection
Dieses Spannungsfeld zwischen Auftrag und Autorschaft, zwischen Gebrauchsgrafik und Ausstellung, prägt Sagmeisters Werk bis heute und bildet die Grundlage für seine späteren, stärker konzeptuellen Arbeiten.
Würdigung im Rathaus
In ihrer Laudatio betonte Kaup-Hasler Sagmeisters Fähigkeit, Schönheit und Freude als zentrale Elemente in den Diskurs zurückzubringen. Seine Arbeiten würden zeigen, dass Design nicht nur funktional, sondern auch gesellschaftlich wirksam sein könne.
Auch die internationale Strahlkraft wurde hervorgehoben: Sagmeister lebt und arbeitet seit den frühen 1990er-Jahren in New York und führt gemeinsam mit Jessica Walsh die Agentur Sagmeister & Walsh. Sein Einfluss reicht von Kulturinstitutionen bis zu globalen Marken.
Design als Grundhaltung
Stefan Sagmeister selbst versteht seine Arbeit nie ausschließlich als Dienstleistung. In seiner Dankesrede betonte er, dass Design für ihn immer auch ein Werkzeug sei, um den Blick auf das Positive zu lenken.
Diese Haltung zieht sich durch sein Werk: von den frühen, musikgetriebenen Arbeiten bis zu den späteren, stärker reflektierenden Projekten. Die Ehrung der Stadt Wien würdigt damit nicht nur eine Karriere, sondern auch ein Stück Rave- und Popkultur.
(PA/red)


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