Michael Ludwig will 2030 erneut als Bürgermeister antreten

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat am Dienstag überraschend früh seine Kandidatur für die nächste Wien-Wahl angekündigt. „Ich trete auch 2030 wieder an, Bürgermeister dieser Stadt zu bleiben“, erklärte der SPÖ-Politiker in einem Beitrag auf Facebook. „Wir haben noch viel vor.“

Ludwig begründete seine Entscheidung mit der Unterstützung, die er aus der Wiener Bevölkerung spüre. Als politische Schwerpunkte nannte er die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, leistbares Wohnen und das Ziel, Wien bis 2040 klimaneutral zu machen. Er wolle die Stadt „in eine gute Zukunft führen und sicher durch die Herausforderungen in der Welt bringen“.

Mit einem Facebook-Posting hat Wiens Bürgermeister Michael Ludwig seine erneute Kandidatur angekündigt.

„Wir haben noch viel vor“: Bürgermeister Michael Ludwig kündigte seine erneute Kandidatur auf Facebook an.

Mit seiner Ansage beendet Ludwig vorerst die zuletzt aufgekommenen Spekulationen über seine Nachfolge. Im Frühjahr war öffentlich darüber diskutiert worden, ob der seit 2018 amtierende Stadtchef bei der nächsten Wahl noch einmal kandidieren würde. Ludwig wäre im Wahljahr 2030 69 Jahre alt.

Bei der Wien-Wahl 2025 blieb die SPÖ mit 39,38 Prozent klar stärkste Partei. Anschließend setzte Ludwig die Koalition mit den NEOS fort. Im Juni 2025 wurde er vom Gemeinderat erneut zum Bürgermeister gewählt. Im April 2026 bestätigte ihn die Wiener SPÖ mit 92,33 Prozent als Landesparteivorsitzenden.

Kritik in der Causa Ruck

Im Ö1-Sommerinterview nahm Ludwig auch zur Causa um den früheren Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck Stellung. Innerhalb der SPÖ war Kritik daran laut geworden, dass sich der Bürgermeister nicht klar von frauenfeindlichen Äußerungen Rucks distanziert hatte. Vertreterinnen der SPÖ-Frauen wandten sich deshalb in einem Brief an Ludwig.

Der Bürgermeister erklärte, er sei bei den betreffenden Gesprächen nicht anwesend gewesen und wisse nicht genau, was Ruck gesagt habe. Zu Zitaten aus Aufzeichnungen, die in Medien wiedergegeben wurden, wolle er nicht Stellung nehmen. Die Frauen, die darüber mit ihm diskutieren wollten, habe er zu einem zeitnahen Gespräch eingeladen.

Gerüchte, wonach Ludwig und Ruck derselben Freimaurerloge angehörten, wies der Bürgermeister zurück. Er habe in diesem Zusammenhang nie mit Ruck zu tun gehabt. Bei den Freimaurern werde außerdem nicht über Politik und Religion gesprochen, betonte Ludwig.

Gleichzeitig verteidigte er die bisherige Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Wiener Wirtschaftskammer. Wien habe als einziges Bundesland drei Jahre in Folge ein Wirtschaftswachstum verzeichnet. Zudem gebe es einen Höchststand bei der Beschäftigung. Dass die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg manche gestört habe, nehme er zur Kenntnis.

Neuer Vorschlag im Gastpatienten-Streit

Im Streit über die Behandlung niederösterreichischer Patientinnen und Patienten in Wiener Spitälern schlug Ludwig eine Direktverrechnung zwischen den Bundesländern vor. Künftig könnten demnach die tatsächlich entstehenden Behandlungskosten unmittelbar verrechnet werden. Das wäre laut Ludwig ein einfach zu administrierendes System.

Eine Abgeltung der Kosten sei jedenfalls notwendig. Berücksichtige man die Behandlungen von Wienerinnen und Wienern in anderen Bundesländern sowie zusätzliche Einnahmen aus dem Finanzausgleich, sei Wien im vergangenen Jahr dennoch ein Defizit von 610 Millionen Euro entstanden. Im laufenden Jahr könnte dieses laut Ludwig auf rund 700 Millionen Euro steigen.

Eine formelle Kür Ludwigs zum Spitzenkandidaten der Wiener SPÖ steht noch aus. Mit seiner öffentlichen Erklärung hat der Bürgermeister die personellen Weichen für die Wahl 2030 jedoch bereits gestellt.

(red/ORF/PID)