Ein Traum in Mintgrün: Gerstner färbt das Palais Todesco ein
Mintgrün, wohin man blickt: Mit der Neugestaltung seines Standorts im Palais Todesco setzt Gerstner auf eine Farbwelt, die sich deutlich von der braunen Tradition klassischer Wiener Kaffeehäuser abhebt. Das helle Grün zieht sich über Verkaufspulte, Wandverbauten, Vitrinen und die Bar im oberen Stock.
Neben der etwas kosmetisch wirkenden Farbwahl fällt auch die räumliche Aufteilung auf. Im Erdgeschoß an der Kärntner Straße bleibt Gerstner eine leicht zugängliche Konditorei und Confiserie für den schnellen Einkauf. Torten, Schnitten, Pralinen und andere süße Mitbringsel werden hier im Gassenverkauf angeboten.
Neu hinzugekommen ist eine Schaubackstube. Hinter Glas lässt sich verfolgen, wie Torten und kleine Desserts garniert und fertiggestellt werden. Das Versprechen solcher offenen Produktionsbereiche lautet Transparenz: Gäste sollen sehen, dass hinter den Produkten tatsächlich handwerkliche Arbeit steht. Zugleich wird diese Arbeit zum zentralen Bestandteil einer räumlichen Inszenierung, für die auch darstellerische Präsenz gefragt ist.

Die neue Schaubackstube ermöglicht Gästen Einblicke in die in die kunstvolle Verzierung der traditionellen Backwaren. | © Gourmet / www.tm-photography.at
Mehr Gastronomie im ersten Stock
Vom Gassenverkauf im Erdgeschoß führt die Treppe in den ersten Stock, wo sich die Café-Bar befindet. Dieser gastronomische Bereich war bereits bisher öffentlich zugänglich, wurde im Zuge des Umbaus aber deutlich erweitert. Gerstner spricht von einer Verdoppelung der Sitzplätze. Damit bekommt jene Etage, die zwischen Verkaufslokal und dem Café-Restaurant weiter oben liegt, im regulären Betrieb wesentlich mehr Bedeutung.
Teil des neuen Angebots ist die Schlumberger Sparkling Bar. Sie verbindet Kaffeehaus, Konditorei und Tagesbar und dürfte nicht zuletzt auf das Publikum rund um Staatsoper, Kärntner Straße und Innenstadt abzielen. Kaffee und Mehlspeisen bleiben zentral, ergänzt werden sie durch Schaumwein und kleine Snacks.
Im zweiten Stock treffen regulärer Restaurantbetrieb und Veranstaltungsgeschäft aufeinander. Neben dem täglich geöffneten Café-Restaurant befinden sich dort die historischen Salons Privés, die vor allem für Firmenveranstaltungen, Präsentationen und private Feiern genutzt werden. Das Haus verteilt sein Angebot damit auf mehrere Ebenen: Verkauf und Schaubackstube im Erdgeschoß, Café- und Sektbar im ersten Stock sowie Café-Restaurant und Veranstaltungsbereiche im zweiten.
Zwischen Gründerzeit und Fifties
Gerstner beschreibt das Gestaltungskonzept als von der Gründerzeit und der Geschichte des Palais inspiriert. Das dominante Mintgrün verweist allerdings eher auf die Pastellpalette der amerikanischen Nachkriegsmoderne. Zusammen mit den gerundeten Formen und den gepolsterten Barhockern entsteht ein deutlicher Fifties-Eindruck.

Mit der Revitalisierung greift Gerstner die Atmosphäre der ehemaligen K. u. K. Monarchie auf und interpretiert diese neu. | © Gourmet / www.tm-photography.at
Das Ergebnis ist bewusst fotogen und leicht wiedererkennbar, wenngleich nicht jedes Detail dieselbe Wertigkeit ausstrahlt. Barhocker und bunt beschirmte Lampen setzen einen verspielten Kontrapunkt zum historistischen Rahmen des Palais. Das zwischen 1861 und 1864 nach Plänen von Christian Ludwig Förster errichtete Gebäude erhielt seine kunsthistorische Prägung vor allem durch die von Theophil Hansen gestaltete Beletage mit Holzvertäfelungen, Kassettendecken und Deckenmalereien nach Entwürfen Carl Rahls. Die neuen Gasträume knüpfen daran nicht als Rekonstruktion an, sondern verdichten die Geschichte des Hauses zu einem zeitgenössischen Retrodesign.
Alte Namen, neue Traditionen
Gourmet führt zudem eine Reihe prominenter Gastronomiebetriebe, darunter das Café Schwarzenberg und den Wiener Rathauskeller. Seit Mai 2026 betreibt das Unternehmen außerdem das Salzburger Café Tomaselli als Pächter. Name, Charakter und klassisches Angebot des traditionsreichen Hauses sollen dort erhalten und nach Angaben der Beteiligten behutsam weiterentwickelt werden.
Auch im Palais Todesco lautet die Formel nun: historische Kulisse, bekannte Marke und ein stärker auf den laufenden Tagesbetrieb ausgerichtetes Raumkonzept. Sichtbarer Ausdruck dafür ist das markante Gestaltungskonzept: ein wenig Airstream-Diner, ein wenig Graceland und eine leise Erinnerung an das alte Wien.
(PA/red)


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