Gault&Millau kürt Philip Rachinger zum Chef des Jahres
Philip Rachinger vom „Ois im Mühltalhof“ im oberösterreichischen Neufelden erhält die Top-Auszeichnung des Gault&Millau Restaurantguides 2027. Der bisherige Titel „Koch des Jahres“ heißt nun „Chef of the Year“. Mit der Umbenennung will der Guide auch die Leistungen von Frauen in der Spitzengastronomie stärker berücksichtigen. Die neuen Ergebnisse wurden am 19. Oktober im Wiener Hilton Vienna Park vorgestellt.
Mehr Restaurants mit vier Hauben
Im aktuellen Guide erreichen 97 Betriebe vier Hauben, nach 82 im Vorjahr. Die Gruppe der Fünf-Hauben-Restaurants verkleinert sich dagegen von neun auf acht Häuser. Grund dafür ist die bevorstehende Schließung des Restaurants Obauer in Werfen: Karl und Rudolf Obauer ziehen sich in den Ruhestand zurück und beenden den Betrieb am 26. Oktober.
Die beiden Brüder erhalten den Preis für ihr Lebenswerk. 1979 übernahm Karl Obauer das Gasthaus Lebzelter von seinem Onkel. Gemeinsam entwickelten sie daraus ein Restaurant, dessen Küche französisches Handwerk mit regionalen Produkten und asiatischen Einflüssen verbindet. Ihr Haus war zugleich Ausbildungsstätte für zahlreiche Köchinnen und Köche.

Karl und Rudolf Obauer erhalten den Gault&Millau-Award für ihr Lebenswerk. | © Hannes Winkler
Noemi Zagoni verbindet Arlberg und ungarische Küche
Als Newcomerin des Jahres wird Noemi Zagoni ausgezeichnet. Sie leitet die Küche des „Elements“ im Hotel Arpuria in St. Anton am Arlberg. Auf ihrem Menü stehen Produkte aus der Umgebung: Alpengarnelen aus Hall, Saibling aus dem Zuger Fischteich und Honig aus Pettneu. Dazu kommen ungarische Gerichte wie Lángos und Letscho sowie der Nusskuchen Zserbó. Ein vegetarisches Menü gehört ebenfalls zum Angebot.

Noemi Zagoni verbindet im Elements alpine Produkte mit ungarischen Gerichten. Gault&Millau zeichnet sie als Newcomerin des Jahres 2027 aus. | © Hotel Arpuria
Ebenfalls in St. Anton arbeitet Janina Trogisch: Die Souschefin des „Tannenhof“ erhält den Titel Patissière des Jahres. Der Service Award geht an Larissa Andres, Gastgeberin und Geschäftsführerin der Wiener Restaurants „Jola“ und „Lara“. Das vegane Fine-Dining-Restaurant Jola steigt zudem auf vier Hauben auf. Nina Fink vom „Gasthaus Haberl & Fink’s Delikatessen“ in Walkersdorf bei Ilz wird Sommelière des Jahres.
Auch die Wirtshausküche ist unter den Sonderpreisen vertreten. Das Landgasthaus Reif in Alkoven wird Wirtshaus des Jahres, das Gasthaus Ubl erhält die entsprechende Wiener Auszeichnung.
Erstmals 100 Punkte im Weinguide
Der begleitende Weinguide vergibt in seiner 39. Ausgabe erstmals die Höchstwertung von 100 Punkten. Sie geht gleich an drei Weine: den Blaufränkisch Alte Reben L 2023 von Moric, Tements Sauvignon Blanc Ried Zieregg XT GSTK 2017 und Dorli Muhrs Blaufränkisch Ried Spitzerberg-Obere Spitzer 2023.

Dorli Muhr mit Familie. | © Anna Stöcher
Muhrs Betrieb in Prellenkirchen im Weinbaugebiet Carnuntum wird außerdem zum Weingut des Jahres gekürt. Ausschlaggebend war die Bewertung ihrer Blaufränkisch-Serie des Jahrgangs 2023. Die Auszeichnung würdigt auch die Zusammenarbeit mit ihrer Tochter Anna Niepoort und Kellermeister Lukas Brandstätter.
Als Entdeckung des Jahres zeichnet der Guide die südsteirische Winzerin Tamara Kögl aus. Für die Ausgabe wurden mehr als 2.000 Weine, Sekte und erstmals auch alkoholfreie Alternativen verkostet. Sämtliche Kategorien und Preisträger versammelt der Überblick zu den Guides 2027.

Martina und Karl Hohenlohe mit Philip Rachinger (Mitte): Der Küchenchef des Ois im Mühltalhof in Neufelden erhält den Titel „Chef of the Year 2027“. | © Hannes Winkler
Rachingers Küche und der Blick des Guides
Rachinger führt die gastronomische Familientradition in Neufelden in sechster Generation fort. Nach Stationen im Steirereck und bei Pierre Gagnaire im Londoner Sketch kehrte er ins Mühlviertel zurück. Im Ois serviert er an fünf Tischen ein Überraschungsmenü; einen Teil der Zutaten sammelt er in den umliegenden Wäldern und Wiesen. Mit der „Wirtshausroas“ bringt er außerdem internationale Köchinnen und Köche sowie Winzerinnen und Winzer in leerstehende Lokale seines Heimatorts.
Hinter den Bewertungen steht Gault&Millau, ein aus Frankreich stammender Restaurantführer, dessen österreichische Ausgabe seit 1980 erscheint. Anonyme Tests bilden die Grundlage für die Bewertung der Küchenleistung mit bis zu fünf Hauben. Martina und Karl Hohenlohe geben heute neben dem Restaurantführer auch einen Hotel- und einen Weinguide heraus.
(PA/red)


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