McDonald’s setzt auf mehr Protein und weniger Carbs
Proteinriegel in der Schultasche, Eiweißpudding im Kühlschrank und beim Mittagessen die Frage, wie viele Gramm Protein eigentlich drinstecken: Für den fitnessbegeisterten Teil der Teenager und U30 ist Essen längst auch Nährwertrechnung. Der Snack soll schmecken, aber bitte nebenbei am Bizeps mitarbeiten. McDonald’s greift diesen Ernährungsstil auf und beschäftigt sich mit neuen Gerichten: Chicken Bowls, gegrilltem Hendl und kleinen Eierportionen fürs Frühstück.
Wie stark Eiweiß junge Menschen beschäftigt, zeigen Zahlen aus den USA. In einer Befragung von Morning Consult 2025 gaben 66 Prozent der erwachsenen Generation Z an, sich proteinreich zu ernähren. Unter allen befragten Erwachsenen waren es 59 Prozent. Die Selbstauskunft sagt noch nichts über den tatsächlichen Speiseplan, aber einiges darüber, welches Etikett beim Essen gerade zieht.
Auch bei Jugendlichen landen Riegel und Shakes regelmäßig auf dem Speiseplan. In einer US-Elternbefragung berichteten 41 Prozent, ihr 13- bis 17-jähriges Kind habe im vergangenen Jahr Proteinprodukte konsumiert. Unter den Eltern dieser Nutzer nannten 26 Prozent Zeitmangel und Mahlzeitenersatz als Motiv. Das Mittagessen aus der Verpackung ist also durchaus ein Thema – nur sieht die Verpackung inzwischen öfter nach Sportstudio aus.

Mehr Platz für die nächste Essenspause: Franchisenehmer Patrick Köck hat das McDonald’s Restaurant am Wiener Handelskai 92 Mitte September 2026 nach dem Umbau wiedereröffnet. Am umgestalteten Maria-Restituta-Platz bietet die neue Terrasse 92 Sitzplätze.
Welche neuen Protein-Gerichte plant McDonald’s?
Beim Investorentag am 23. September 2026 stellte McDonald’s mehrere Ansätze für ein stärker auf Eiweiß ausgerichtetes Angebot vor. Dazu gehören Bowls, gegrilltes Hendl und Egg Bites. Die Ideen reichen vom Frühstück bis zum Abendessen. Unterschiedliche Portionsgrößen sollen zusätzliche Auswahl schaffen.
Dabei sind die Produkte unterschiedlich weit entwickelt:
- Chicken Bowl: Ein vorgestelltes Testgericht kombiniert knuspriges Hendl mit Salat, Käse, Tomaten und Ranch-Dressing.
- Gegrillter Chicken Snack Wrap: Gehört zu den gezeigten Produktideen. Gegrilltes Hendl soll auch bei Sandwiches eine größere Rolle spielen.
- Egg Bites: Kleine Eiergerichte werden als zusätzliche Frühstücksoption geprüft.
- Burger Bowl: Auch ein Bowl-Konzept rund um Rindfleisch wird erwogen.
An Rezepturen und möglichen Einführungsterminen wird noch gearbeitet. Eine weltweit startende, fertig zusammengestellte „Protein-Speisekarte“ gibt es damit noch nicht.
Chicken Bowls: Das Hendl bekommt eine Schüssel
Die Chicken Bowl macht die neue Richtung besonders anschaulich: Hendl, Gemüse, Käse und Sauce lassen sich als eigene Mahlzeit zusammenstellen. Beim gezeigten Beispiel liegt knuspriges Hühnerfleisch auf Salat und Tomaten, darüber kommt Ranch-Dressing. Geschmacklich bleibt das ziemlich nah an vertrautem Fastfood. Gegessen würde eben mit der Gabel.
Eine Bowl bietet außerdem die Möglichkeit, Fleisch ohne Burgerweckerl anzubieten. Wie viele Kohlenhydrate am Ende darin stecken, entscheiden allerdings die Zutaten: Panier, Saucen oder mögliche Beilagen zählen ebenfalls mit. Für die neuen McDonald’s-Bowls sind noch keine endgültigen Nährwerte veröffentlicht.
Gegrilltes Hendl: Der Bodybuilding-Klassiker bekommt einen Drive-in
Hühnerbrust hat im Fitnessmilieu ungefähr den Status, den der Big Mac bei McDonald’s besitzt: Man kennt sie, man weiß, wofür sie steht. Mageres Fleisch gehört zu den klassischen Eiweißlieferanten. Das Hendl musste dafür nie erst „High Protein“ auf die Brust tätowiert bekommen.
Mit gegrilltem Hendl für Sandwiches und Wraps will McDonald’s diese Nachfrage stärker bedienen. Gleichzeitig soll die Chicken-Auswahl insgesamt wachsen: mit weiteren McCrispy-Varianten, Chicken Strips und McWings in zusätzlichen Märkten.
Für die Nährwertbilanz ist die Zubereitung entscheidend. Ein gegrilltes Stück Hühnerfleisch und ein paniertes Patty bringen unterschiedliche Zutaten mit. Beim fertigen Wrap kommen Tortilla und Sauce dazu. Der Name „Chicken“ allein verrät deshalb noch nicht, wie viel Eiweiß eine Mahlzeit im Verhältnis zu ihren Kalorien liefert.
Was sind Egg Bites?
Egg Bites sind kleine, portionsweise gegarte Eierhäppchen, häufig ähnlich wie Mini-Omeletts. Je nach Rezept werden Eier etwa mit Käse, Hüttenkäse oder Gemüse kombiniert und in kleinen Formen zubereitet. Sie lassen sich einzeln essen und brauchen kein Weckerl als Unterlage.
McDonald’s prüft das Format für sein Frühstücksangebot. Welche Zutaten die eigene Version enthalten könnte, wie groß eine Portion wäre und wie viel Protein sie liefern würde, ist bislang nicht abschließend bekannt. Das Ei hätte damit jedenfalls Aussicht auf einen Soloauftritt – außerhalb des McMuffins.
Handpaniertes Hendl: Eine zweite Chicken-Offensive
Parallel arbeitet McDonald’s an handpaniertem Hendl. In rund 10.000 Restaurants in Asien hat der Konzern damit bereits Erfahrung gesammelt. Im Großraum Chicago laufen Pilotversuche; 2027 sollen weitere Tests in den USA und Irland folgen. Ein allgemeiner Einführungstermin steht noch aus.
Hier geht es vor allem um Geschmack und Zubereitung. Die Panier wird durch Handarbeit nicht zur zusätzlichen Proteinquelle. Für Chicken-Fans ist die Entwicklung trotzdem interessant: Neben neuen Gerichten könnte sich auch verändern, wie das Fleisch im Restaurant vorbereitet wird.
Wie viel Protein steckt heute schon bei McDonald’s drin?
Für österreichische Gäste lässt sich die Eiweißfrage bereits jetzt konkret beantworten. Die veröffentlichten Nährwerte zeigen, wie unterschiedlich Portionen ausfallen:
| Produkt | Protein | Carbs | kcal |
|---|---|---|---|
| 6 McNuggets | 16 g | 21 g | 262 |
| 20 McNuggets | 55 g | 68 g | 873 |
| Big Mac | 27 g | 42 g | 544 |
| McCrispy CBO | 30 g | 53 g | 653 |
Angaben pro Portion laut McDonald’s Österreich, Stand 30. September 2026. Einzelprodukte ohne zusätzliche Dips, Beilagen oder Getränke. Carbs bezeichnet Kohlenhydrate.
Die 20er-Nuggets liefern in dieser Auswahl am meisten Eiweiß pro Portion, bringen aber auch die größte Kalorienmenge mit. Auf 100 Kilokalorien gerechnet liegen sie mit rund 6,3 Gramm Protein nahe an der Sechserportion mit 6,1 Gramm. Mehr Nuggets bleiben zunächst einmal mehr Nuggets.
Der McCrispy CBO liefert wiederum mehr Eiweiß pro Portion als ein Big Mac. Im Verhältnis zu den Kalorien liegt der Big Mac mit rund 5 Gramm Protein pro 100 Kilokalorien vor dem Chicken-Burger mit 4,6 Gramm. Wer nach „viel Protein bei McDonald’s“ sucht, bekommt deshalb mit einer einzigen Grammzahl nur die halbe Antwort. Weitere Produkte lassen sich im österreichischen Nährwertrechner vergleichen.
Warum McDonald’s auch kleinere Portionen im Blick hat
Die Nachfrage kommt aus mehreren Richtungen. US-Präsidentin Skye Anderson verwies beim Investorentag neben proteinbewussten Gästen auch auf Menschen, die GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion nutzen. Diese Kundschaft suche unter anderem kleinere, proteinbetonte Mahlzeiten. Insgesamt sieht McDonald’s in den USA nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Menschen, die aktiv mehr Eiweiß essen möchten.
Für die Produktentwicklung heißt das: Eiweiß soll in unterschiedlichen Größen und Formen bestellbar werden. Ein kleines Eiergericht zum Frühstück erfüllt dabei einen anderen Zweck als eine Chicken Bowl als Hauptmahlzeit.
Wann kommen die neuen Gerichte nach Österreich?
Für die hier beschriebenen Egg Bites, Bowls und neuen gegrillten Chicken-Produkte hat sich das Österreich-Management zu einem Starttermin bislang nicht öffentlich geäußert. Auch österreichische Preise und endgültige Nährwerte liegen noch nicht vor. Im heimischen Produktangebot sind die vorgestellten Neuheiten bisher nicht gelistet.

Der Mäcci am Handelskai ist eine Etage gewachsen: Beim Umbau des Restaurants von Patrick Köck kamen im Obergeschoß 125 Sitzplätze zu den bestehenden 90 im Erdgeschoß dazu. Seit Mitte September 2026 ist der Standort wieder geöffnet. | © McDonald’s Österreich
Die internationalen Pläne zeigen aber, wohin sich zusätzliche Auswahl entwickeln könnte: mehr Gerichte rund um Ei, Hendl und Rindfleisch, flexiblere Portionen und neue Möglichkeiten, die persönliche Proteinrechnung mit einer schnellen Mahlzeit zu verbinden. Der Proteinriegel in der Sporttasche könnte damit Konkurrenz bekommen, für die man eine Gabel braucht.
(red)


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