Ganzjahresreifentest: ÖAMTC und ARBÖ im Vergleich
Ein Reifensatz für das ganze Jahr: Ganzjahresreifen versprechen weniger Aufwand, weil der saisonale Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen entfällt. Doch welche Modelle bewältigen den Wechsel zwischen sommerlicher Hitze, Regen und Schnee am besten? Der Ganzjahresreifentest 2026 von ÖAMTC und ARBÖ liefert dazu unterschiedliche Ergebnisse. Während beim ÖAMTC nur ein Reifen die Gesamtnote „gut“ erreicht, zieht der ARBÖ eine positivere Bilanz. Für Käufer lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Reifendimension, Modell und einzelne Testdisziplinen.
Diese Ganzjahresreifen schneiden am besten ab
Im ARBÖ-Vergleich gewinnt der Pirelli Cinturato All Season SF3 vor Continental. Ausschlaggebend ist die ausgewogene Leistung des Siegers: Er liefert auf Schnee solide Ergebnisse und setzt sich auf nasser sowie trockener Fahrbahn an die Spitze.
Beim ÖAMTC setzt sich der Continental AllSeasonContact 2 mit der Gesamtnote 2,3 durch. Er überzeugt auf trockener, nasser und winterlicher Fahrbahn und ist der einzige der 16 geprüften Reifen mit einem guten Gesamturteil. Dahinter folgen der Pirelli Cinturato All Season SF3 und der Michelin CrossClimate 2 mit jeweils 2,6 und damit „befriedigend“.

Die Ergebnisse des ÖAMTC-Ganzjahresreifentests 2026: Nur der Continental AllSeasonContact 2 erreicht die Gesamtnote „gut“. | © ÖAMTC
Continental und Pirelli zählen damit in beiden Tests zur Spitzengruppe. Eine pauschale Empfehlung für sämtliche Ganzjahresreifen dieser Hersteller lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Warum der Bremsweg entscheidend ist
Besonders anschaulich werden die Unterschiede beim Bremsen. Im ARBÖ-Test kommt der Pirelli auf nasser Fahrbahn aus 100 km/h einen Meter früher zum Stillstand als der zweitbeste Reifen dieser Disziplin, der Continental. Auf trockener Straße beträgt sein Vorsprung auf den hier zweitplatzierten Bridgestone 1,3 Meter.
Andere Kandidaten zeigen je nach Fahrbahnbedingung unterschiedliche Stärken und Schwächen. Der Goodyear überzeugt im ARBÖ-Test bei Nässe, verliert aber durch lange Bremswege im Trockenen an Boden. Bridgestone zeigt auf trockener Fahrbahn eine starke Leistung, hat jedoch Schwächen bei Nässe. Nokian wiederum punktet mit sehr guter Nasshaftung, fällt aber in den Trockendisziplinen zurück.
Auch das Reifenlabel beantwortet nicht alle Fragen: Pirelli und Giti tragen laut ARBÖ bei der Nasshaftung beide die Einstufung A, schneiden in den Fahrversuchen jedoch deutlich unterschiedlich ab. Für die Kaufentscheidung ist deshalb das Zusammenspiel mehrerer Eigenschaften aussagekräftiger als ein einzelner Labelwert.
Auf Schnee ergibt sich ein anderes Bild
Wer vor allem auf Wintereigenschaften achtet, findet im ARBÖ-Test einen anderen Spitzenreiter: Michelin erzielt besonders starke Ergebnisse auf Schnee. Auch Continental, Giti und Hankook überzeugen dort. Gute Schneeeigenschaften reichen allerdings nicht automatisch für einen vorderen Gesamtrang. Giti fällt wegen schwächerer Leistungen in anderen Disziplinen im Endergebnis zurück.

Auf verschneiten Strecken in Nordschweden mussten die Ganzjahresreifen ihre Wintereigenschaften unter Beweis stellen. | © AutoZeitung, F Ratering
Dass einzelne Stärken erhebliche Schwächen verdecken können, zeigt auch die ÖAMTC-Wertung. Der Dunlop All Season 2 erreicht bei winterlichen Bedingungen die Note 1,7, auf trockener Fahrbahn jedoch nur 3,7. Insgesamt bleibt damit ein „genügend“. Der Continental-Testsieger erzielt seine gute Gesamtbewertung dagegen durch durchgehend gute Fahrsicherheitsnoten.
Unterschiede zwischen ÖAMTC und ARBÖ
Der wichtigste Unterschied liegt in der getesteten Reifengröße. Der ÖAMTC untersucht 16 Modelle in 185/65 R15, einer typischen Kleinwagendimension. Beim ARBÖ treten zehn Reifen in 225/45 R17 an. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unmittelbar miteinander vergleichen.
Hinzu kommt die Modellgeneration: Nicht jeder Hersteller bietet seine neuesten Reifen in jeder Größe an. Der ÖAMTC prüft beispielsweise den Bridgestone Weather Control A005-Evo und den Michelin CrossClimate 2. Neuere Modelle dieser Hersteller sind laut Club in größeren Dimensionen bereits erhältlich. Ein Markenname allein sagt daher zu wenig über den konkret angebotenen Reifen aus.
Beim ÖAMTC fließt die Fahrsicherheit mit 70 Prozent, die Umweltbilanz mit 30 Prozent in die Wertung ein. Deutliche Schwächen können zudem auf die Gesamtnote durchschlagen. Fünf Modelle erhalten ein „nicht genügend“: Norauto 4 Seasons 2, Bridgestone Weather Control A005-Evo, Mastersteel All Weather 2, Roadhog GAS02 und Tomason Allseason. Bei allen fünf liegen die entscheidenden Defizite auf winterlicher Fahrbahn.
ÖAMTC oder ARBÖ – auf welchen Test sollte man sich verlassen?
Für Käufer ist vor allem jener Test hilfreich, der die benötigte Reifendimension und das konkrete Modell abdeckt. Die unterschiedlichen Gesamtbilanzen der Clubs sind kein Widerspruch: Sie untersuchen unterschiedliche Testfelder, deren Ergebnisse jeweils für die geprüfte Ausführung gelten.
Wer einen Ganzjahresreifen sucht, sollte deshalb zuerst Größe und Modellbezeichnung abgleichen und anschließend die Einzelbewertungen prüfen. Häufige Fahrten auf Schnee stellen andere Anforderungen als überwiegende Fahrten bei mildem Wetter. Gute Wintereigenschaften sollten dabei ebenso wenig über schwache Nassleistungen hinwegtäuschen wie kurze Bremswege im Sommer über Defizite auf Schnee.
Der Ganzjahresreifentest 2026 liefert damit eine klare Orientierung: Continental überzeugt beim ÖAMTC durch seine Ausgewogenheit, Pirelli gewinnt den ARBÖ-Vergleich mit starken Leistungen bei Nässe und im Trockenen. Entscheidend bleibt, wie gut der konkrete Reifen über alle relevanten Bedingungen hinweg abschneidet.
(PA/red)


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