Neue KI unterstützt Früherkennung von Hautkrebs

Sonne auf der Haut, ein Sprung ins Wasser und ein Nachmittag im Freibad: Das gehört zum Sommer. Doch das Jahr 2026 hatte es in sich. Am 5. August wurden in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad gemessen. In Wien waren es 41 Grad – ein neuer Rekord für die Bundeshauptstadt.

Für die Haut ist nicht die Hitze das Problem, sondern die UV-Strahlung. Sie ist nicht unmittelbar spürbar und kann Hautzellen bereits schädigen, bevor ein Sonnenbrand entsteht. Dass die Sommerbräune aus medizinischer Sicht kein Zeichen gesunder Haut, sondern eine Schutzreaktion auf UV-Strahlung, ist vielen nicht bekannt. Sogar in der Arbeiterkammer scheint es sich nicht auf allen Ebenen herumgesprochen zu haben. Dass man dort dennoch mit guten Tipps zum Thema “Arbeiten bei Hitze” aufwartet, ist keine große Überraschung.

Braun werden ohne Reue?

„Jedes intensive Sonnenbad kann Spuren hinterlassen. Besonders problematisch sind wiederholte Sonnenbrände – vor allem in der Kindheit und Jugend“, erklärt Dr. Johannes Bisschoff, ärztlicher Leiter des dermatologischen Zentrums „Medizin am Hauptbahnhof“ in Wien.

Ganz auf Sonne verzichten muss niemand. Entscheidend ist ein vernünftiger Umgang: intensive Mittagssonne vermeiden, Schatten suchen, schützende Kleidung und Kopfbedeckung tragen sowie unbedeckte Haut ausreichend eincremen. Der Lichtschutzfaktor darf jedoch nicht als Freibrief für ein längeres Sonnenbad verstanden werden. Keine Sonnencreme bietet vollständigen Schutz.

Denn: Die Außentemperatur ist kein verlässlicher Maßstab für die UV-Belastung. Auch ein angenehm kühler oder leicht bewölkter Tag kann mit hoher UV-Strahlung verbunden sein. Orientierung bietet der aktuelle UV-Index.

Mann trägt am Strand bei Sonne Sonnencreme auf und schützt seine Haut vor UV-Strahlung

Sommer, Sonne, Hitze und Strandurlaub erhöhen die Belastung durch UV-Strahlung. Sonnencremes mit unterschiedlichen Sonnenschutzfaktoren können die Haut schützen. | © Sammy-Sander / Pixabay

Nach dem Sommer lohnt sich ein prüfender Blick auf die eigene Haut. Muttermale – die sind in den meisten Fällen harmlos. Verändert sich jedoch ihre Form, Farbe oder Größe oder entsteht eine neue auffällige Hautstelle, sollte diese dermatologisch abgeklärt werden.

KI erstellt eine Landkarte der Haut

Unterstützung bei der Kontrolle verspricht eine neue Generation der digitalen Ganzkörperkartografie. Im dermatologischen Zentrum Medizin am Hauptbahnhof kommt seit August 2026 das System „Deviskan“ des spanischen Medizingeräteherstellers Dermavision Solutions zum Einsatz – laut Ordination erstmals in Österreich.

Das Gerät kombiniert Total Body Mapping, also hochauflösende Ganzkörperfotografie, mit digitaler Dermatoskopie. Während bei älteren Verfahren vor allem einzelne auffällige Muttermale dokumentiert wurden, erkennt das System mithilfe künstlicher Intelligenz nahezu alle sichtbaren relevanten Hautveränderungen und ordnet sie den jeweiligen Körperstellen zu.

Die Untersuchung dauert rund 15 Minuten. Die Bilder werden gespeichert und bei späteren Kontrollen automatisch mit früheren Aufnahmen verglichen. Dadurch können neue Muttermale oder Veränderungen bestehender Hautstellen leichter auffallen. Die abschließende medizinische Beurteilung erfolgt weiterhin durch die Hautärztin oder den Hautarzt – die KI dient als Unterstützung und stellt keine eigenständige Diagnose.

„Gerade bei Menschen mit sehr vielen Muttermalen ist es schwierig, jede einzelne Veränderung selbst zu bemerken“, sagt Bisschoff. „Die digitale Verlaufskontrolle schafft gewissermaßen eine Landkarte der Haut. So können wir bei späteren Untersuchungen gezielter erkennen, was neu ist oder sich verändert hat.“

Ein Vorsorgetermin, bei dem das System unterstützend eingesetzt wird, kostet in der Wahlarztordination derzeit 230 Euro.

Der ABCDE-Check für zu Hause

Zwischen den ärztlichen Kontrollen sollte man die eigene Haut regelmäßig ansehen – einschließlich Rücken, Kopfhaut, Fußsohlen und der Bereiche zwischen den Zehen. Bei schwer einsehbaren Stellen können ein Spiegel oder die Hilfe einer vertrauten Person nützlich sein.

Eine erste Orientierung bietet die ABCDE-Regel:

  • A wie Asymmetrie: Das Muttermal hat keine gleichmäßige Form.
  • B wie Begrenzung: Der Rand wirkt unscharf, unregelmäßig oder ausgefranst.
  • C wie Colour: Innerhalb des Muttermals treten unterschiedliche Farben auf.
  • D wie Durchmesser: Der Durchmesser nimmt zu oder liegt über etwa fünf Millimetern.
  • E wie Entwicklung: Das Muttermal verändert sich, wird erhaben, juckt oder blutet.

Schon ein einzelnes auffälliges Merkmal oder eine erkennbare Veränderung kann Anlass für eine ärztliche Abklärung sein. Auch das sogenannte „hässliche Entlein“ verdient Aufmerksamkeit: Sieht ein Muttermal deutlich anders aus als alle anderen, sollte es kontrolliert werden.

Neue „Hautkrebsimpfung“ ist keine Impfung für Gesunde

Hoffnung macht derzeit auch eine Meldung über eine personalisierte mRNA-Therapie gegen schwarzen Hautkrebs. Moderna und Merck beziehungsweise MSD berichteten im August über positive Ergebnisse einer Phase-III-Studie.

Der häufig verwendete Begriff „Hautkrebsimpfung“ kann jedoch falsche Erwartungen wecken. Es handelt sich nicht um eine vorbeugende Impfung, die gesunde Menschen vor Hautkrebs schützt. Die experimentelle Therapie namens Intismeran wird individuell anhand der Merkmale eines bereits entfernten Tumors hergestellt. Untersucht wurde sie gemeinsam mit dem Immuntherapeutikum Pembrolizumab bei Patientinnen und Patienten, denen zuvor ein Hochrisiko-Melanom operativ entfernt worden war.

Nach Angaben der Unternehmen konnte die Kombination das Wiederauftreten der Erkrankung und die Bildung von Fernmetastasen besser eindämmen als Pembrolizumab allein. Die vollständigen Ergebnisse der Phase-III-Studie müssen allerdings noch wissenschaftlich präsentiert und bewertet werden. Auch eine Zulassung liegt bislang nicht vor.

„Diese Entwicklung ist für die Behandlung von Melanomen sehr ermutigend“, sagt Bisschoff. „Sie schützt aber nicht vor UV-Schäden und ersetzt keine Vorsorge. Die besten Chancen bestehen weiterhin dann, wenn eine auffällige Veränderung möglichst früh erkannt wird.“

Die Botschaft nach einem sonnenreichen Sommer lautet deshalb: Die Sonne bewusst genießen, Sonnenbrände vermeiden – und der eigenen Haut regelmäßig Aufmerksamkeit schenken.

(PA/red)