Darum bleibt Schausten Chefredakteurin des ZDF
Bettina Schausten bleibt bis 2032 Chefredakteurin des ZDF. Ihre Wiederbestellung zeigt, wie der deutsche öffentlich-rechtliche Sender einen seiner wichtigsten publizistischen Posten besetzt. Dabei wirken der Intendant und ein zwölfköpfiger Verwaltungsrat zusammen. Eine öffentliche Auswahl unter mehreren Bewerbern sieht das Verfahren nicht vor.
Bettina Schausten ist seit 2022 Chefredakteurin des ZDF. Die heute 61-Jährige arbeitet seit 1996 für den Sender und hat dort schon viele journalistische Funktionen übernommen. Sie leitete und moderierte das „ZDF-Morgenmagazin“, führte die Hauptredaktion für Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik und stand von 2010 bis 2019 an der Spitze des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin. Danach wurde Schausten stellvertretende Chefredakteurin und übernahm die Hauptredaktion Aktuelles. Von 2020 bis 2022 moderierte sie das „heute journal“. Das Fernsehpublikum kennt sie außerdem aus Wahlsendungen, „ZDF spezial“, „Berlin direkt“, den ZDF-Sommerinterviews und der Interviewsendung „Was nun?“.
Diese Laufbahn zeichnet das Bild einer Journalistin, die den Sender, seine Redaktionen und die deutsche Politikberichterstattung seit Jahrzehnten mitgestaltet. Die Entscheidung über ihre weitere Amtszeit folgt einem Bestellungsverfahren, das sich wesentlich von einer öffentlichen Wahl oder einem offenen Bewerbervergleich unterscheidet.
Der Intendant entscheidet, wen er vorschlägt
Am Anfang des Verfahrens steht ZDF-Intendant Norbert Himmler. Er beruft die Direktorinnen und Direktoren des Senders und damit auch die Chefredakteurin, braucht dafür aber das Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat. Der Intendant bestimmt also, welche Person er für die Funktion vorsieht; der Verwaltungsrat kann zustimmen oder ablehnen. Ein eigenes, parallel dazu bestehendes Auswahlverfahren des zwölfköpfigen Gremiums sieht der ZDF-Staatsvertrag nicht vor.
Bei Schausten kam beides zusammen: Himmler wollte die Zusammenarbeit mit ihr fortsetzen, der Verwaltungsrat erteilte sein Einvernehmen. Der Intendant bezeichnet sie als prägende journalistische Persönlichkeit des Senders. Sie stehe für unabhängigen Journalismus und eine klare publizistische Haltung und entwickle die Chefredaktion in einer Zeit tiefgreifender medialer Veränderungen erfolgreich weiter.
Welche Überlegungen den Verwaltungsrat zu seiner Zustimmung bewogen haben, wird öffentlich nicht kommuniziert. Seine Mitglieder sind bei dieser Entscheidung nicht an Weisungen gebunden.

Norbert Himmler leitet das ZDF seit 2022. Im März 2026 wählte ihn der Fernsehrat für eine zweite Amtszeit wieder. | © ZDF/Tim Thiel
Auch der Intendant wurde bestätigt
Himmler selbst war erst im März 2026 für eine zweite Amtszeit bestätigt worden. Über den Intendanten entscheidet der Fernsehrat. Von den 53 anwesenden Mitgliedern stimmten 48 für ihn, drei dagegen, zwei enthielten sich. Erforderlich waren mindestens 36 Stimmen – drei Fünftel aller 60 Mitglieder. Seine zweite fünfjährige Amtszeit beginnt im März 2027.
Der Wahl war eine öffentliche Ausschreibung vorausgegangen. Bewerber wurden zur Abstimmung zugelassen, wenn zumindest ein Mitglied des Fernsehrats sie als Wahlvorschlag einbrachte. Neben Himmler hatte sich die Journalistin Floria Fee Fassihi beworben, die ihre Kandidatur vor der Wahl zurückzog. Himmler trat deshalb als einziger Kandidat an.
Bei Himmlers Wiederwahl waren Bewerbungsweg, erforderliche Mehrheit und Abstimmungsergebnis öffentlich nachvollziehbar. Für die Chefredaktion gilt ein anderes Verfahren: Sie wird vom Intendanten im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat besetzt.
Sieben von zwölf müssen zustimmen
Der Verwaltungsrat des ZDF besteht aus zwölf Mitgliedern. Bei der Berufung der Chefredaktion müssen mindestens sieben von ihnen zustimmen. Ohne diese Mehrheit kann der Intendant seinen Vorschlag nicht umsetzen.
Vier Mitglieder des Verwaltungsrats werden von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer gemeinsam berufen. Die übrigen acht wählt der ZDF-Fernsehrat mit einer Mehrheit von drei Fünfteln seiner gesetzlichen Mitglieder.
Der Fernsehrat selbst besteht aus 60 Personen. In ihm sitzen Vertreter der 16 Bundesländer und des Bundes, aber auch der Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Wohlfahrtsverbände, Umwelt- und Sportorganisationen sowie weiterer gesellschaftlicher Bereiche. Diese Zusammensetzung soll unterschiedliche Interessen der Gesellschaft im ZDF abbilden.
Eine gleichzeitige Mitgliedschaft in beiden Gremien ist ausgeschlossen. Die acht Gewählten gehören anschließend für fünf Jahre dem Verwaltungsrat an und können währenddessen nicht zugleich Mitglieder des Fernsehrats sein.
Für diese acht Sitze schreibt der ZDF-Staatsvertrag keine ausdrücklichen Einstiegshürden vor. Auch die deutsche Staatsangehörigkeit oder ein Wohnsitz in Deutschland werden nicht ausdrücklich verlangt. Nach dem Wortlaut wäre damit auch ein im Ausland lebender ausländischer Staatsbürger nicht allein deshalb von einer Wahl ausgeschlossen. Unvereinbar ist die Funktion insbesondere mit bestimmten politischen Ämtern und Tätigkeiten im Rundfunkbereich sowie mit wirtschaftlichen oder sonstigen Interessenkonflikten.
Die Verwaltungsratsmitglieder sollen die Interessen der Allgemeinheit wahrnehmen und sind ausdrücklich nicht an Weisungen gebunden. Frauen und Männer sollen im gesamten zwölfköpfigen Gremium zu gleichen Teilen vertreten sein; Vorgaben für die Repräsentation bestimmter Minderheiten enthält der Staatsvertrag nicht.
Was die 60 Mitglieder nicht entscheiden
Der Fernsehrat bestimmt damit zwei Drittel des Verwaltungsrats. Über die konkrete Besetzung der Chefredaktion stimmt er anschließend aber nicht ab.
Seine 60 Mitglieder können den acht von ihnen gewählten Verwaltungsräten auch keine Anweisung erteilen, ob sie einer Kandidatin oder einem Kandidaten zustimmen sollen. Nach ihrer Wahl sind diese ebenso wie die vier Ländervertreter gesetzlich nicht an Weisungen gebunden. Dass ein Drittel des Verwaltungsrats unmittelbar von den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten berufen wird, ändert nichts daran, dass seine Mitglieder bei ihren Entscheidungen nicht an Weisungen gebunden sind.
Daraus ergibt sich eine mehrstufige Verantwortungskette: Gesellschaftliche Organisationen und staatliche Stellen entsenden Mitglieder in den Fernsehrat. Der Fernsehrat wählt acht Mitglieder des Verwaltungsrats, vier weitere werden von den Ländern berufen. Erst der so zusammengesetzte Verwaltungsrat entscheidet gemeinsam mit dem Intendanten über die Chefredaktion.
Welche Gruppen im Fernsehrat vertreten sind, legt der ZDF-Staatsvertrag fest. Das Publikum selbst wählt keines der beiden Gremien direkt.
Wie die Bestätigung einhergeht
Mit der Bestätigung Schaustens stellte der Verwaltungsrat das vom ZDF-Staatsvertrag geforderte Einvernehmen mit dem Intendanten her. Für ihre Wiederbestellung ist weder eine öffentliche Ausschreibung noch eine Auswahl unter mehreren präsentierten Kandidaten vorgeschrieben. Auch Hearings oder eine vergleichende Begründung verlangt das Verfahren nicht.
Personalangelegenheiten behandelt der Verwaltungsrat grundsätzlich nichtöffentlich. An dieser Stelle endet die Nachvollziehbarkeit für jene Bürger, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanzieren. Bekannt sind Schaustens beruflicher Werdegang, die Unterstützung des Intendanten und die Zustimmung des Verwaltungsrats.
Auf die Zusammensetzung der beteiligten Gremien wirken auch die Ergebnisse der Landtagswahlen ein. Die daraus hervorgehenden Landesregierungen entsenden jeweils einen Vertreter in den Fernsehrat; die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten berufen gemeinsam vier Mitglieder des Verwaltungsrats. Die Einwohnerzahl der Länder spielt dabei keine Rolle: Im Fernsehrat ist jedes Bundesland mit einem Ländervertreter vertreten, und in der Ministerpräsidentenkonferenz verfügt jedes Land über eine Stimme.

Bettina Schausten arbeitet seit 1996 für das ZDF. | © ZDF/Marcus Höhn
Warum? Darum.
Damit lässt sich kurz und bündig sagen, wie beim ZDF über einen der wichtigsten publizistischen Posten entschieden wird und wer Schaustens weitere Amtszeit ermöglicht hat: der Intendant und der Verwaltungsrat.
(red)


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