Wien genehmigt „Telegraph“-Übernahme durch Springer
Die britische Regierung hat die Übernahme der traditionsreichen Zeitung „Telegraph“ durch den deutschen Medienkonzern Axel Springer SE genehmigt. Das teilte Kulturministerin Lisa Nandy mit. Damit ist eine der politisch sensibelsten Hürden für den Eigentümerwechsel genommen. Trotz Zustimmung aus London ist der Deal noch nicht vollständig abgeschlossen. Weitere regulatorische Genehmigungen stehen unter anderem in Irland und Österreich aus. Dass Wien sich hier tatsächlich entgegenstellt, gilt derzeit als unwahrscheinlich. Dennoch stellt sich die Frage, warum Österreich hier überhaupt etwas zu sagen hat.
Zur Hälfte in amerikanischem Besitz
Axel Springer befindet sich mehrheitlich im Besitz des US-Finanzinvestors KKR & Co., der rund 47 Prozent der Anteile hält. Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner zählt mit einem zweistelligen Anteil ebenfalls zu den maßgeblichen Aktionären. Er prägt seit Jahren die strategische Ausrichtung des Konzerns hin zu internationalen, digital getriebenen Mediengeschäften.
Der Konzern will für die Telegraph Media Group, zu der unter anderem „The Daily Telegraph“, „The Sunday Telegraph“ sowie mehrere digitale Angebote gehören, rund 575 Millionen Pfund bezahlen. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Quartal 2026 erwartet.
Britisches Traditionsmedium mit politischem Gewicht
Der 1855 gegründete „Telegraph“ zählt zu den einflussreichsten konservativ geprägten Qualitätszeitungen im Vereinigten Königreich. Das Blatt richtet sich traditionell an ein bürgerlich-konservatives Publikum und spielt insbesondere in der politischen Berichterstattung eine wichtige Rolle.
Neben den Printausgaben verfügt die Gruppe über ein umfangreiches digitales Angebot mit internationaler Leserschaft. Für Springer bedeutet die Übernahme vor allem einen Ausbau seiner englischsprachigen Medienstrategie. Der Konzern betreibt bereits internationale Marken wie Politico und Business Insider und verfolgt seit Jahren das Ziel, seine Präsenz im globalen Nachrichtenmarkt auszubauen.
Insbesondere das US-Geschäft gilt als strategischer Wachstumstreiber. Mit dem Kauf von Politico im Jahr 2021 etablierte Springer eine starke Position im politischen Nachrichtenmarkt in Washington und Brüssel. Die Übernahme des Telegraph würde dieses Netzwerk um ein weiteres politisch einflussreiches Medium erweitern und die Präsenz im englischsprachigen Premiumsegment stärken.
Einige Genehmigungen stehen noch aus
Welche Rolle dabei Länder wie Irland oder Österreich spielen, erklärt sich aus den internationalen Geschäftsstrukturen des Konzerns und den gesetzlichen Prüfmechanismen bei großen Medienübernahmen.
Solche Prüfverfahren werden ausgelöst, wenn beteiligte Unternehmen in einem Land bestimmte Umsatzschwellen erreichen. Dabei geht es nicht um Inhalte oder publizistische Fragen, sondern ausschließlich um wirtschaftliche Aspekte – etwa darum, ob ein Zusammenschluss die Marktstellung eines Unternehmens verändert.
Dass Österreich in diesem Zusammenhang genannt wird, bedeutet daher nicht zwingend, dass der heimische Medienmarkt direkt betroffen ist. Vielmehr handelt es sich um ein routinemäßiges Verfahren, das bei international tätigen Konzernen automatisch greift, sobald bestimmte wirtschaftliche Kriterien erfüllt sind.
Eine Rolle spielen dabei auch digitale Werbeerlöse aus internationalen Nachrichtenportalen. Angebote wie bild.de oder welt.de erzielen ihre Einnahmen überwiegend über Online-Werbung und erreichen auch Nutzer außerhalb Deutschlands. Werden Werbekampagnen gezielt an Nutzer in einzelnen Ländern ausgeliefert, gelten diese Umsätze wettbewerbsrechtlich als wirtschaftliche Aktivität im jeweiligen Markt – selbst ohne lokale Redaktion oder Niederlassung.
Strategischer Ausbau internationaler Angebote
Für Springer ist der Kauf Teil einer langfristigen Strategie, englischsprachige Medienangebote auszubauen und international stärker zu vernetzen. Neben Werbeerlösen gewinnen dabei vor allem digitale Abonnements und datenbasierte Geschäftsmodelle an Bedeutung. Anders als bei klassischen Zeitungsabos handelt es sich dabei häufig um sogenannte Corporate-Abonnements: Behörden, Ministerien, Unternehmen oder Lobbyorganisationen erwerben gebündelte Zugänge zu spezialisierten Nachrichten- und Hintergrunddiensten für zahlreiche Mitarbeiter gleichzeitig.
Branchenbeobachter sehen den Schritt auch als Versuch, die Position global zu stärken und die Reichweite journalistischer Angebote weiter auszubauen. Mit dem Telegraph würde Springer erstmals ein traditionsreiches britisches Leitmedium vollständig in sein internationales Portfolio integrieren und damit seine Präsenz im politisch einflussreichen Nachrichtenmarkt weiter ausbauen.
Der Abschluss der Transaktion bleibt nun von den noch laufenden Prüfverfahren abhängig – deren Ausgang jedoch als weitgehend formell eingeschätzt wird.
(red)


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