Neue Geschäftsführung für die Spanische Hofreitschule

Die Spanische Hofreitschule gehört zu jenen Institutionen, die weltweit sofort mit der Stadt Wien verbunden werden. Neben Staatsoper, Schönbrunn und Stephansdom zählt der Auftritt der weißen Lipizzaner in der barocken Winterreitschule der Hofburg zu den klassischen Programmpunkten internationaler Besucher. Nach einer Phase interner Turbulenzen soll die neue Geschäftsführerin Alexandra Kaszay dafür sorgen, dass sich die traditionsreiche Einrichtung wieder stärker auf ihre Rolle als kulturelle Visitenkarte und touristischer Magnet Wiens konzentriert.

Neubeginn nach internen Konflikten

Der Aufsichtsrat der Spanischen Hofreitschule hat Mag. Alexandra Kaszay zur neuen Geschäftsführerin bestellt. Sie übernimmt ihre Funktion am Mittwoch, 1. April 2026, und verantwortet künftig die gesamte Organisation – von der Hofreitschule in der Wiener Hofburg über das Lipizzanergestüt Piber in der Steiermark bis zum Trainingszentrum Heldenberg in Niederösterreich.

Die Bestellung erfolgt nach einer Phase institutioneller Unruhe. Der bisherige Geschäftsführer Alfred Hudler war 2025 vom Aufsichtsrat abberufen worden. Anschließend führte die ehemalige Landwirtschaftsministerin Maria Patek die Einrichtung interimistisch.

Parallel dazu gerieten interne Spannungen öffentlich. Auslöser waren unter anderem Inhalte einer Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2023, in der Beschäftigte Kritik am Umgang mit jungen Pferden sowie an betrieblichen Abläufen äußerten. Die Vorwürfe führten zu einer Prüfung durch das zuständige Ministerium. Die Institution selbst betonte wiederholt, dass Ausbildung und Haltung der Lipizzaner den gesetzlichen Standards entsprechen.

Managerin aus der Wiener Kongressbranche

Mit Alexandra Kaszay übernimmt nun eine Managerin mit langjähriger Erfahrung im internationalen Veranstaltungsgeschäft die Leitung. Mehr als zehn Jahre lang war sie Alleingeschäftsführerin der Hofburg Vienna, einem der bedeutendsten Kongresszentren Europas. Davor arbeitete sie in leitenden kaufmännischen Funktionen unter anderem bei Lauda Air, Sony DADC Austria und Ernst & Young.

Norbert Totschnig, Alexandra Kaszay und Michael Enzinger bei der Präsentation der neuen Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule

Vorstellung der neuen Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule bei einem offiziellen Termin in Wien. | © Rene Hemerka / BMLUK

Ihr Studium absolvierte sie an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Schwerpunkt Außenhandel und internationales Wirtschaftsrecht. Ihre beruflichen Schwerpunkte liegen in Strategieentwicklung, Controlling und Organisationsmanagement – Kompetenzen, die auch für die komplexe Struktur der Hofreitschule mit ihren mehreren Standorten gefragt sind.

Fünf Jahrhunderte Wiener Reittradition

Die Geschichte der Spanischen Hofreitschule reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals brachten die Habsburger Pferde aus Spanien nach Mitteleuropa und entwickelten am Wiener Hof eine eigene Reittradition. Der Name der Institution verweist bis heute auf diese iberischen Ursprünge.

Die barocke Winterreitschule in der Wiener Hofburg wurde im 18. Jahrhundert errichtet und gilt als einer der eindrucksvollsten Reitsäle Europas. Im Mittelpunkt der Vorführungen stehen die Lipizzaner, eine Pferderasse, die im steirischen Gestüt Piber gezüchtet wird und erst nach mehreren Ausbildungsjahren in Wien auftritt. Die klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule wurde 2015 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Lipizzaner als diplomatisches Symbol

Über Jahrhunderte waren Lipizzaner nicht nur Teil höfischer Reitkunst, sondern auch ein Instrument diplomatischer Repräsentation. Die weißen Hengste wurden von den Regierenden regelmäßig als Staatsgeschenke an andere europäische Höfe überreicht.

Mittlerweile hat diese Tradition ihre politische Bedeutung verloren. Heute stehen die Lipizzaner vor allem für österreichische Kulturgeschichte und für eine Form der Reitkunst, die weltweit einzigartig geblieben ist.

Wirtschaftsfaktor für den Wien-Tourismus

Für den Wiener Tourismus hat die Spanische Hofreitschule eine klare wirtschaftliche Bedeutung. Neben den großen Vorführungen zählen auch Morgenarbeit, Stallführungen und Trainingsbesuche zu den meistgebuchten Programmpunkten internationaler Gäste. Gerade Besucher aus Fernmärkten sehen den Auftritt der Lipizzaner häufig als festen Bestandteil ihres Wien-Aufenthalts.

Mit der neuen Geschäftsführung unter Alexandra Kaszay verbindet sich die Erwartung, dass sich die Hofreitschule organisatorisch stabilisiert und ihre internationale Ausstrahlung wieder stärker sichtbar wird.

(PA/red)