Wien baut Sommerdeutschkurse für Kinder deutlich aus
Das Angebot der Stadt Wien – kostenloser Sprachunterricht in Deutsch in den Sommerferien – richtet sich an Kinder in Wien, die im Herbst 2026 erstmals eine Wiener Volksschule besuchen und beim Schuleinschreibungsverfahren als außerordentliche Schüler eingestuft wurden. Die Wiener Sommerdeutschkurse sollen helfen, sprachliche Grundlagen zu festigen und den Einstieg in den Schulalltag zu erleichtern. Für viele Familien stellt das Angebot zudem eine wichtige Vorbereitung auf den ersten Schultag dar – insbesondere dann, wenn Kinder bisher wenig Deutsch im Alltag verwenden. Die Online-Anmeldung für 2026 hat bereits begonnen und zeigt früh, wie groß der Bedarf ist: Hunderte Plätze wurden bereits gebucht.
Wer teilnehmen kann und wie die Kurse ablaufen
Die Wiener Sommerdeutschkurse richten sich an Kinder, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, um dem Unterricht vollständig zu folgen. Ziel ist es, Sprachkompetenz und Sicherheit vor dem ersten Schultag zu stärken.
Die Kurse finden zwischen 13. Juli und 21. August 2026 statt und dauern jeweils zwei Wochen. Der Unterricht läuft von Montag bis Freitag zwischen 8.30 und 11.30 Uhr. Pro Gruppe sind maximal zwölf Kinder vorgesehen, um eine intensive Betreuung zu ermöglichen. Neben Sprachübungen stehen spielerisches Lernen, Alltagssituationen und die Vorbereitung auf den Schulalltag im Mittelpunkt. Eine tägliche Jause ist Teil des Angebots.
Angeboten werden die Kurse an fünf Wiener Schulstandorten:
- Jagdgasse (1100 Wien)
- Gaullachergasse (1160 Wien)
- Bildungscampus Sonnwendviertel (1100 Wien)
- Treustraße (1200 Wien)
- Meißnergasse (1220 Wien)
Die Teilnahme ist kostenlos. Voraussetzung ist, dass das Kind in Wien gemeldet ist, aktuell einen Kindergarten besucht und als außerordentlicher Schüler eingestuft wurde.
Sprachförderung als Unterstützung für Familien im Sommer
Neben der sprachlichen Vorbereitung erfüllen die Kurse auch eine organisatorische Funktion für Familien. Gerade in den Sommerferien stehen viele Eltern vor der Herausforderung, Betreuung und Beruf miteinander zu vereinbaren. Zwei Wochen strukturierter Unterricht am Vormittag können dabei eine spürbare Entlastung darstellen – insbesondere für berufstätige Eltern ohne flexible Urlaubszeiten.
Auch Kinder mit Lernschwierigkeiten oder geringerer Konzentrationsfähigkeit können von der festen Tagesstruktur und den kleinen Gruppen profitieren. Pädagogisch wird bewusst auf spielerische Lernformen gesetzt, um Hemmschwellen abzubauen und den Übergang in den Schulalltag zu erleichtern.
Die Durchführung erfolgt durch die gemeinnützige Organisation Interface Wien im Auftrag der Stadt. Zum Einsatz kommen qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen mit Erfahrung in Sprachförderung und Vorschulpädagogik. Ergänzend finden erstmals mehrsprachige Informationsveranstaltungen für Eltern statt, bei denen Fragen zum Schulstart geklärt werden können.
Bundessommerschule folgt unmittelbar vor dem Schulstart
Parallel zu den Wiener Angeboten gelten ab 2026 neue bundesweite Regelungen: Kinder, die als außerordentliche Schüler eingestuft werden, müssen verpflichtend an der sogenannten Bundessommerschule teilnehmen.
Diese findet in Wien von 24. August bis 4. September 2026 statt und liegt unmittelbar vor dem regulären Schulbeginn. Sie dauert ebenfalls zwei Wochen und wird direkt von den Schulen organisiert. Für betroffene Kinder ist die Teilnahme Teil der Schulpflicht.
Für Eltern bedeutet das in der Praxis: Die Wiener Sommerdeutschkurse ersetzen die Bundessommerschule nicht. Vielmehr sind sie als zusätzliche Vorbereitung gedacht, die zeitlich davor liegt. Ein Kind kann daher zunächst freiwillig an einem Wiener Sommerdeutschkurs teilnehmen und anschließend verpflichtend die Bundessommerschule besuchen.
Ob ein Kind diese verpflichtende Sommerschule besuchen muss, wird bereits bei der Schuleinschreibung entschieden. Dort erfolgt eine standardisierte Deutschstandserhebung. Wird ein Förderbedarf festgestellt, erhalten Eltern in der Regel im Frühjahr oder Frühsommer eine entsprechende Information durch die Schule.
Was „außerordentlicher Schüler“ bedeutet
Der entscheidende Zeitpunkt für die Einstufung ist die Volksschulanmeldung, die meist zwischen Jänner und März erfolgt. Dabei wird überprüft, ob Kinder ausreichend Deutsch verstehen und sprechen können, um dem Unterricht zu folgen. Grundlage dafür sind standardisierte Sprachtests sowie pädagogische Einschätzungen.
Kinder, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, werden als außerordentliche Schüler geführt und erhalten gezielte Sprachförderung. Ziel ist es, möglichst rasch den Status eines ordentlichen Schülers zu erreichen und ohne zusätzliche Maßnahmen am regulären Unterricht teilnehmen zu können.
Sprachförderung als Teil einer wachsenden Nachfrage
Der Ausbau der Sommerdeutschkurse steht im Zusammenhang mit einer strukturellen Entwicklung im Wiener Bildungssystem. In vielen Klassen steigt seit Jahren der Anteil von Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Für diese Gruppe entscheidet die Sprachkompetenz beim Schuleintritt häufig darüber, wie schnell Lerninhalte aufgenommen werden können.
Fehlende Sprachkenntnisse wirken sich nicht nur auf Lesen und Schreiben aus, sondern auch auf Mathematik, Sachunterricht und die Integration in den Klassenalltag.

Anmeldung zu den Wiener Sommerdeutschkurse bei der Stadt Wien (MA 17) sowie bei Interface Wien. | © Stadt Wien/Markus Wache
Weitere Programmangebote in den Wiener Sommerferien
Neben den Deutschkursen existieren in Wien weitere Sommerprogramme für Kinder. Dazu zählen etwa die Summer City Camps, die Betreuung mit Freizeitangeboten und Lernförderung verbinden. Gemeinsam entsteht ein wachsendes Angebot an Ferienprogrammen, das sowohl Bildungsziele als auch Betreuungsbedürfnisse berücksichtigt.
Frühe Förderung entscheidet über den Start
Dass bereits kurz nach Beginn der Anmeldung mehrere hundert Plätze vergeben waren, deutet auf einen konstant hohen Bedarf hin. Für viele Familien ist der Schulstart ein entscheidender Moment, der langfristige Auswirkungen auf den Bildungsweg eines Kindes haben kann.
Sprachförderprogramme vor dem ersten Schultag sollen helfen, diese Startbedingungen zu verbessern und Kindern mehr Sicherheit für den Schulalltag zu geben.
(PA/red)


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