Wiener Volksschüler lernen erfolgreich Finanzwirtschaft
Rund 80 Kinder aus vier zweiten Klassen der OVS Speisinger Straße 44 in Wien-Hietzing haben sich ein gesamtes Schuljahr mit Geld, Konsum, Sparen und wirtschaftlichem Handeln beschäftigt. Das Projekt „Nachhaltig Wohlhabend“ wurde dafür mit dem österreichweiten KARDEA!-Finanzbildungspreis 2026 in der Kategorie Volksschule ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung fand am 29. Juni statt.
Finanzbildung mit eigenem Bilanzbuch
Unter der Leitung von Sabrina Leonhartsberger lernten die Volksschulkinder, Einnahmen und Ausgaben zu dokumentieren und ihre finanziellen Mittel selbstständig zu verwalten. Kernstück des Projekts war ein eigens entwickeltes Bilanzbuch.
Im Unterrichtsfach Technik und Design konnten die Kinder Materialien über ein schulinternes Stickersystem erwerben. Dabei sollten sie lernen, Ausgaben zu planen, Entscheidungen zu treffen und den Wert von Ressourcen einzuschätzen. Kostenlose Recyclingmaterialien ergänzten das Angebot und sollten gleichzeitig ein Bewusstsein für nachhaltigen Konsum vermitteln.
Leonhartsberger ist beruflich als Native Growth & Performance Manager bei der COPE Content Performance Group tätig. Das Unternehmen bezeichnet sich als Österreichs führende Content-Marketing-Agentur und betreibt nach eigenen Angaben das reichweitenstärkste Online-Mediennetzwerk des Landes.
Österreichweiter Preis für Finanzbildung
Vergeben wird der KARDEA!-Finanzbildungspreis seit 2019. Hinter der Initiative stehen die Three Coins GmbH, die ERSTE Stiftung und der Erste Financial Life Park, kurz FLiP. Unterstützt wird der Wettbewerb von der Johannes Kepler Universität Linz und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Finanzen.
Three Coins übernimmt die Koordination des Wettbewerbs und ist für dessen Inhalte verantwortlich. Das Wiener Unternehmen bezeichnet sich als unabhängige Bildungsorganisation und Sozialunternehmen. Es ist Mitglied des Social Entrepreneurship Network Austria und trägt das Verified-Social-Enterprise-Label.
Die Three Coins GmbH verpflichtet sich nach eigenen Angaben freiwillig dazu, Gewinne nicht an die Eigentümer auszuschütten. Im Impressum wird diese sogenannte Zero-Dividend-Policy ausdrücklich hervorgehoben. Gewinne sollen demnach im Unternehmen verbleiben oder für den Unternehmenszweck der Vermittlung von Finanzkompetenz eingesetzt werden.
Finanzbildung als Geschäftsmodell
Als Unternehmensgegenstand nennt Three Coins die Entwicklung, Abwicklung und Beratung von Projekten im Bereich Financial Literacy. Dazu gehören insbesondere digitale Produkte zur finanziellen Grundlagenbildung sowie der Aufbau und Betrieb eines Expertennetzwerks.
Das Unternehmen arbeitet dabei mit öffentlichen Institutionen, Ministerien, Stiftungen, Unternehmen und anderen Organisationen zusammen. Zu den bisherigen Auftraggebern und Partnern zählen unter anderem das Sozialministerium, die Stadt Wien, die Finanzmarktaufsicht sowie Organisationen aus dem Banken- und Stiftungsbereich.
Auch öffentlich finanzierte Projekte gehören zum Tätigkeitsfeld. Das Projekt „SmartMoney“ wurde im Rahmen des FFG-Programms „Wirksam Werden – Soziale Innovationen gegen Kinder- und Jugendarmut“ durchgeführt. Daneben bietet Three Coins im Auftrag des Sozialministeriums kostenlose Finanzbildungsworkshops für Schulen in mehreren österreichischen Bundesländern an.
Finanzministerium übernimmt Schirmherrschaft
Beim KARDEA!-Preis reicht die institutionelle Beteiligung von der privatwirtschaftlich organisierten Bildungsorganisation über eine Stiftung und ein Finanzbildungszentrum bis zur Universität und zum Finanzministerium.
Schüler aller Altersstufen können Projekte zu Finanzthemen einreichen. Für Volksschulen trägt die Wettbewerbskategorie den Titel „Jung und wild“. Für die Unterstufe gibt es „Das Taschengeld wird knapp“, für die Oberstufe „Almost erwachsen“. 2026 wurde erstmals zusätzlich ein Sonderpreis für ein Projekt mit besonderem künstlerischem Anspruch vergeben.
Die ausgezeichneten Wiener Volksschulkinder erhielten bei der Preisverleihung Urkunden. An einem selbst gestalteten Verkaufsstand konnten sie die im Unterricht erworbenen Kenntnisse präsentieren. Familien der Schüler erhielten vor Ort zusätzlich Informationen zum Thema Taschengeld.
Bildungsdirektorin gratuliert Volksschule
Unterstützung erhielt das Projekt auch von höchster Stelle der Wiener Bildungsverwaltung. Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs würdigte die Auszeichnung in der Rathauskorrespondenz der Stadt Wien.
„Finanzbildung beginnt nicht erst im Erwachsenenalter“, erklärte Fuchs. Wiener Schulen würden Kindern bereits früh den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und die Folgen ihres Handelns vermitteln.
Projekte wie „Nachhaltig Wohlhabend“ zeigten, wie alltagsnahe Bildung bereits in der Volksschule gelingen könne und leisteten zugleich einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit. Die Bildungsdirektorin bezeichnete den Erfolg als Beispiel für die Innovationskraft der Wiener Schulen.
Auch Schulleiterin Maria Perlinger zeigte sich erfreut über die österreichweite Auszeichnung. Besonders stolz mache sie, dass die Kinder gelernt hätten, verantwortungsvoll mit Geld und Ressourcen umzugehen.
750 Euro für weitere Investitionen
Besonders nachhaltig soll schließlich auch das Preisgeld eingesetzt werden. Die OVS Speisinger Straße erhält für ihr ausgezeichnetes Projekt 750 Euro. Das Geld wird erneut in das Unterrichtsfach Technik und Design investiert und soll dort den Ankauf von Materialien ermöglichen, die bisher wegen ihres höheren Anschaffungswerts nicht zur Verfügung standen.
Damit setzt sich der Kreislauf der Finanzbildung konsequent fort. Rund 80 Kinder aus vier zweiten Klassen beschäftigten sich ein Schuljahr lang mit Einnahmen und Ausgaben, Sparen, Konsum und wirtschaftlichem Handeln. Unterstützt wurde der Wettbewerb von Unternehmen, Stiftung, Finanzbildungszentrum, Universität und Finanzministerium, begleitet von einer Preisverleihung und gewürdigt durch die Wiener Bildungsdirektion.
Am Ende steht eine wichtige finanzielle Erkenntnis, die sich bereits im Volksschulalter anschaulich vermitteln lässt: Nach einem Jahr Projektarbeit, zahlreichen beteiligten Institutionen und österreichweiter Auszeichnung stehen der Schule nun 750 Euro für neue Materialien zur Verfügung.
Darüber hinaus dürfen sich die Schülerinnen und Schüler auf einen von KARDEA! gestalteten Workshop-Tag rund um das Thema Geld freuen – all inclusive.
(PA/red)


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