Hohe Geldstrafen für fehlendes Gratis-Leitungswasser
Um das kostenlose Leitungswasser beim Wirt ist eine Diskussion entbrannt. Viele Lokale müssen es ihren Gästen gratis anbieten. Darf das sein? Die Meinungen zum kühlen Nass reichen von „gesetzlich vorgeschrieben“ bis „bei Verstößen wird die Alkohollizenz entzogen“.
Kostenloses Leitungswasser gehört für viele zum guten Service. In australischen Lokalen ist es oft mehr als das: Wer Alkohol ausschenkt, muss seinen Gästen vielerorts auch Trinkwasser gratis anbieten. Andernfalls kann es teuer werden.
15.000 australische Dollar Strafe für fehlendes Gratiswasser: Diese Zahl sorgt in Westaustralien für klare Regeln. Dort müssen Wirte kostenloses Trinkwasser bereitstellen, wenn Alkohol zum Konsum im Lokal ausgeschenkt wird. Bei Verstößen drohen dem Lizenznehmer bis zu 15.000 Dollar, dem verantwortlichen Manager bis zu 6000 Dollar.
Wie handhaben es Behörden, Wirte und Gäste abseits von Perth? Das Ergebnis zeigt ein Land der Extreme: Manche verlangen kostenloses Wasser. Andere verlangen nich bloß kostenloses, sondern kühles Wasser.
Gratis, aber nicht überall gleich
In Queensland rechnet die Behörde genau: Hotels, Clubs, Bars, öffentliche Veranstaltungen und Betriebe, die nach Mitternacht geöffnet haben, müssen kaltes Wasser auf Wunsch gratis abgeben. Andere Lizenznehmer dürfen es kostenlos oder zu einem „angemessenen Preis“ anbieten.
Für Verwirrung kann dabei die Darreichungsform sorgen. In Western Australia reicht es nicht aus, auf den Wasserhahn in der Toilette zu verweisen. Auch ein einzelner, schwer erreichbarer Wasserspender in einer vollen Warteschlange oder ein Krug, der stundenlang in der Sonne steht, erfüllt die Vorgaben nicht. Das Wasser muss sauber, leicht zugänglich und regelmäßig erneuert werden.
Mineralwasser aus der Flasche dürfen Wirte weiterhin verkaufen. Es ersetzt allerdings nicht das kostenlose Trinkwasser. Gäste können somit für stilles Wasser bezahlen und zugleich Anspruch auf Gratiswasser haben – je nachdem, auf welchen Behälter sie zeigen.

Praktisch für Touristen an heißen Tagen: In vielen australischen Lokalen muss Trinkwasser kostenlos erhältlich sein. | © pixabay
Was Gastronomen davon halten
Ganz ohne Gegenstimme bleibt die Debatte nicht. Stuart Knox, Betreiber einer kleinen Weinbar in Sydney, verwies gegenüber SBS auf die Kosten des Services. Wenn neun Gäste über Stunden nur drei Getränke bestellten, lasse sich daraus kein Geschäft machen. Wer lediglich Leitungswasser trinke und Plätze für zahlende Gäste blockiere, finanziere weder Personal noch Betriebskosten.
Grundsätzlich gratis sei das Wasser deshalb trotzdem. Die Kellner, die es immer wieder nachschenken, müssten schließlich aus den übrigen Einnahmen bezahlt werden.
Kein Wasser, keine Alkohollizenz
Wie ernst die Vorschriften genommen werden, zeigte sich zuletzt im sogenannten Northern Territory. Dem abgelegenen Barrow Creek Hotel wurde Anfang 2026 die Alkohollizenz suspendiert. Kontrolleure hatten eine Reihe von Verstößen festgestellt – darunter, dass Gästen weder Mahlzeiten noch kostenloses Leitungswasser angeboten wurden. Es war nicht der einzige Grund für das Einschreiten, stand aber ausdrücklich auf der Liste.
Schon 2004 hatte New South Wales seine Bestimmungen nach Beschwerden von Gästen verschärft. Der damalige Glücksspiel- und Rennsportminister Grant McBride berichtete von Nachtclubs, die Leitungswasser verweigerten. In einem Fall habe eine Frau Wasser für die Einnahme ihrer Medikamente benötigt und keines bekommen. Einzelne Betreiber verlangten für Wasser sogar mehr als für Bier. McBride nannte das „un-australisch“.
Gratis-Leitungswasser – auch für uns?
Auf Seite der Gäste dürfte die Zustimmung eindeutig ausfallen: Wer Alkohol konsumiert, bekommt Trinkwasser vielerorts kostenlos dazu. Gratis ist es deshalb freilich nicht. Bezahlt wird es über Bier, Wein, Essen und die übrige Rechnung.
Während hierzulande über den Preis eines Glases Leitungswasser gestritten wird, hat Australien die Frage vielerorts per Gesetz beantwortet: Wer Alkohol ausschenkt, schenkt Wasser gratis aus.
(red)


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