Hallstatt fährt jetzt waagrecht auf den Salzberg
Seit 29. August ist Hallstatts neue Salzbergbahn in Betrieb. Die Standseilbahn benötigt für die 593 Meter lange Strecke gerade einmal 2,6 Minuten und überwindet dabei 325 Höhenmeter. Das technisch Bemerkenswerte daran: Obwohl die Strecke bis zu 87,72 Prozent steil ist, bleiben die Fahrgasträume dank automatischer Niveauregulierung während der gesamten Fahrt waagrecht.
Die Passagiere stehen also gerade, während die kristallartig gestalteten Kabinen schräg den Berg hinauffahren. Das erleichtert vor allem Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität den Ein- und Ausstieg. Jede der beiden Kabinen fasst 60 Personen; bis zu 1.000 Fahrgäste können pro Stunde transportiert werden.
Ob die grauen, kantigen Fahrzeuge tatsächlich an elegante Salzkristalle oder doch eher an überdimensionierte Blechhütten mit Guckfenstern erinnern, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Auf den Bildern wirken sie jedenfalls erheblich technischer als die Landschaft, durch die sie fahren: blechern, grau und brutalistisch im Design.

Die Kabinen fahren schräg den Berg hinauf, während die Fahrgasträume dank automatischer Niveauregulierung waagrecht bleiben. | © Thomas Sattler
Eine Stunde gehen oder 2,6 Minuten fahren
Zwingend notwendig ist die Bahn für gehfähige Besucher nicht. Der Salzberg lässt sich vom Hallstätter Ortszentrum in etwa 45 bis 60 Minuten zu Fuß erreichen. Gegenüber der 2,6-minütigen Auffahrt sparen Fahrgäste also ungefähr eine Dreiviertelstunde – Warteschlange und Abfertigung nicht eingerechnet. Die Berg- und Talfahrt kostet für Erwachsene 29 Euro, für Kinder zwischen vier und 15 Jahren 14 Euro.
Für diesen Preis sollte oben mehr warten als eine schöne Aussicht. Tatsächlich ist das Angebot inzwischen recht umfangreich: Neben dem Skywalk „Welterbeblick“ und dem historischen Rudolfsturm gibt es das prähistorische Gräberfeld, einen Erlebnisweg, eine neue Aussichtsterrasse und das Bistro „Weitblick 7000“. Die eigentliche Attraktion sind die Salzwelten Hallstatt mit dem nach Angaben des Betreibers ältesten Salzbergwerk der Welt und einer mehr als 7.000-jährigen Abbaugeschichte. Für Bahn, Bergwerksführung und Skywalk werden 49 Euro pro erwachsener Person verlangt. Für den gesamten Besuch sollte man mindestens drei Stunden einplanen; allein die Führung unter Tage dauert rund 90 Minuten.

Bei der Führung durch das Salzbergwerk zeigt ein Bergwerksführer einer Familie eine natürliche Steinsalzader. | © Salzwelten/Podpera
Wer nur wegen des Ausblicks hinauffährt und gut zu Fuß ist, findet im Salzbergweg vermutlich das stimmigere Hallstatt-Erlebnis. Für Familien, ältere Gäste und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen besitzt die barrierefreie Bahn dagegen einen klaren praktischen Wert.
Eine neue Schneise im Welterbe?
Die spektakulären Bilder der steilen Trasse werfen zwangsläufig die Frage auf, wie gut eine solche technische Furche zum Marketing einer UNESCO-Kulturlandschaft passt. Neu in den Berg geschnitten wurde sie für dieses Projekt allerdings nicht. Die Bahn entstand auf der Trasse ihrer 1980 eröffneten Vorgängerin. Ersetzt wurden die Bahnanlage sowie die Tal- und Bergstation; zugleich entstanden im bestehenden steilen Korridor zahlreiche neue Fundamente.

Die neue Talstation und die steile Trasse der Salzbergbahn. Der Neubau entstand im Korridor der bisherigen Anlage. | © Thomas Sattler
Die Architekten sprechen von einer behutsamen Einfügung in das historische Umfeld. Das ist die Selbsteinschätzung der Projektbeteiligten und keine unabhängige Bewertung durch die UNESCO. Der Umbau wurde archäologisch begleitet, und das aus gutem Grund: Unmittelbar bei der Bergstation liegt jenes prähistorische Gräberfeld, das Hallstatt zu einem archäologischen Begriff von Weltrang gemacht hat.

Der Skywalk „Welterbeblick“ eröffnet den Blick auf Hallstatt, den Hallstätter See und die Bergwelt des Salzkammerguts. | © Salzwelten
Komfortmaschine mit nachvollziehbarem Zweck
Hallstatt leidet nicht an zu wenigen Gästen. Dennoch ist nachvollziehbar, warum der Betreiber eine 45 Jahre alte Bahn durch eine leistungsfähigere und erstmals durchgehend barrierefreie Anlage ersetzt. Im Jahr 2024 nutzten rund 258.000 Menschen die alte Salzbergbahn; die neuen Kabinen fassen 60 statt bisher 24 Personen.
Die neue Bahn dient der bequemen und effizienten Beförderung zu einem stark besuchten Ausflugsziel. Sie macht aus knapp einer Stunde Fußweg eine Fahrt von 156 Sekunden. Ob einem diese Ersparnis 29 Euro und die Fahrt in den grauen Kabinen wert sind, muss jeder Gast selbst entscheiden.
(PA/red)


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