Café Central bekommt zum Jubiläum eigene Briefmarke

Seit dem internationalen Tag des Kaffees am 1. Oktober gibt es das Eingangsportal des Café Central auch im Briefmarkenformat. Die Österreichische Post würdigt damit das 150-jährige Bestehen des Wiener Kaffeehauses. In der Herrengasse selbst müssen Gäste noch warten: Das Haus im Palais Ferstel bleibt wegen seiner Generalsanierung geschlossen. Betreiber Verkehrsbuero plant die Wiedereröffnung für Ende 2026.

Vom Schließtag bis zur Rückkehr

Am 16. März wurden im Central die Stühle hochgestellt und die Türen für die Generalsanierung geschlossen. Die Pause dauert länger als zunächst angekündigt: Statt im Herbst plant der Betreiber die Wiedereröffnung inzwischen für Ende 2026. Ein konkreter Eröffnungstag steht noch nicht fest.

Hinter den geschlossenen Türen betrifft der Umbau vor allem die Voraussetzungen für den täglichen Gastronomiebetrieb. Heizung, Lüftung, Sanitäranlagen, Elektrotechnik und Brandschutz werden erneuert. Die Küche im Souterrain wird baulich neu organisiert, die Produktionsflächen der Patisserie werden erweitert. Neue Lüftungsanlagen und ein eigener Mitarbeiterbereich sollen auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Das Video vom Schließtag zeigt das Kaffeehaus vor Beginn der Arbeiten.

Historisches Ambiente, erneuerte Infrastruktur

Die Arbeiten reichen über den Gastraum hinaus in weitere Bereiche des Palais Ferstel, darunter die Veranstaltungssäle. Das denkmalgeschützte Gebäude verlangt dabei eine Abstimmung zwischen technischer Erneuerung und dem Erhalt seiner Ausstattung.

Thonet-Stühle werden aufgearbeitet, Backhausen-Stoffe erneuert oder originalgetreu nachgefertigt und historische Luster restauriert. Auch Stuck, Marmor, Tische, Vitrinen und die Kaffeehausbar gehören zum Sanierungsprogramm. Das vertraute Erscheinungsbild soll erhalten bleiben, während die Infrastruktur für Küche, Service und Veranstaltungen modernisiert wird.

Verkehrsbuero führt das Café Central seit 2011 über seine Tochtergesellschaft Palais Events. Während der Bauphase dient das Decentral auf der Freyung als Ausweichquartier. Dort wird das Kaffeehausangebot bis zur Rückkehr an die Herrengasse fortgeführt.

Das Portal in der Kaffeetasse

Für die Jubiläumsbriefmarke hat Grafikerin Liz Wurzinger das Central auf eine Tasse Kaffee verdichtet: Aus der Vogelperspektive sieht man eine goldbraune Crema, in die das charakteristische Eingangsportal mit Rundbogen und Schriftzug eingebettet ist. Der Untergrund greift rötlichen Marmor auf.

Martin Winkler und Walter Oblin zeigen die Jubiläumsbriefmarke vor dem mit einer Abbildung gestalteten Eingang des Café Central.

Martin Winkler (links), Vorstandsvorsitzender des Verkehrsbuero, und Walter Oblin, Generaldirektor der Österreichischen Post, mit der Jubiläumsbriefmarke vor dem derzeit geschlossenen Café Central. | © Österreichische Post AG / Jennifer Fetz

Die Marke hat einen Nennwert von 1,25 Euro und erscheint in einer Auflage von 150.000 Stück. Ihr Motiv verbindet damit zwei erkennbare Merkmale des Hauses: Kaffee und Architektur.

Das 1876 eröffnete Central wurde um die Jahrhundertwende zum Treffpunkt der Wiener Literatur- und Geisteswelt. Zu seinen Gästen gehörten Arthur Schnitzler, Stefan Zweig und Sigmund Freud. Heute gehören neben dem historischen Gastraum auch die eigene Patisserie und klassische Wiener Gerichte zum Profil des Betriebs. Mit der Wiedereröffnung soll dieses Angebot im Jubiläumsjahr wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren.

Ein Stück Kaffeehausgeschichte bewahrt auch Roncalli-Gründer Bernhard Paul in seiner Sammlung. Sein mitreisendes Café war bisweilen mit Lampen aus dem historischen Central dekoriert, wie er sagte. Seine Verbundenheit mit den Wiener Kaffeehäusern führte ihn zuletzt ins Café Landtmann, das Roncallis 50-jähriges Bestehen mit einer eigenen Gugelhupf-Edition feiert.

(PA/red)